Kunstmarkt: Messeboom in London

27. Juni 2006, 11:43
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"The Summer Fair Olympia", Grosvenor House, Hali Textile & Tribal Fair

London - In einer Metropole wie London, in der am Sonntagvormittag mehr Ferraris, Bentleys und Rolls-Royce als freie Taxis auszumachen sind, sind wohl auch Erwartungen an Kunstmessen entsprechend hoch zu stecken.

Natürlich wird in London ebenso mit Wasser gekocht, allerdings sind die Zutaten andere. Mit dem ehrgeizigen Ziel sich in den nächsten fünf Jahren zu einer der weltweit drei besten Messen für Kunst und Antiquitäten zu mausern schloss "The Summer Fair Olympia" am Sonntag dem 18. Juni ihre Tore.

250 Juroren

300 Teilnehmer hatten ihr Angebot an gleich elf Öffnungstagen in dem historischen, innenarchitektonisch neu gegliederten Ambiente ausgebreitet. Darunter fanden sich auch zahlreiche international renommierte Spezialisten. 250 Juroren taten einen Tag lang Dienst und ein entsprechend kunterbunter Mix überrascht auf den ersten Blick, ein näherer auf den Sektor bildender Kunst entbehrt jedenfalls der Notwendigkeit. Die Bandbreite der Verkäufe spiegelt das Konzept: Vanderven & Vanderven Oriental Art reichte ein Tang-Kamel mit Kaufmann auf dem Rücken für 150.000 Pfund an einen spanischen Sammler weiter. Erstaussteller Patridge Fine Arts gab Teile des bei Sotheby's im Herbst 2005 ersteigerten Dinnerservice des Duke of Cumberland für eine halbe Million Pfund nach Singapur ab.

Statt in Portobello nach Schnäppchen zu suchen, gaben eine Reihe von Celebrities der Summer Fair Olympia den Vorzug und mischten sich unter die 28.000 Besucher. Elisabeth Hurley, Irena Abramovich, Bryan Ferry, Sophia Loren oder Jeremy Irons sollen dem Vernehmen nach ebenso ihre Börsen gezückt haben wie Rose Tarlow,

Eine amerikanische Innendekorateurin, die Namens ihrer Hollywood-Klientel in einen kleineren Kaufrausch verfiel, plauderte diesbezüglich aus der Schule.

Nebenan versammelte die 9. Hali Textile & Tribal Fair zur selben Zeit 75 Teilnehmer aus fünf Kontinenten, darunter Gebhart Blazek (Graz) und Harald Bichler, die sowohl für Berber in der Preisklasse von 1800 bis 27.000 Euro wie für Design, gute Umsätze zu vermelden hatten.

Ein paar U-Bahn-Stationen weiter lockte vom 15. bis 21. Juni die Crème der britischen Kunst- und Antiquitätenhändler in Begleitung ausgewählter internationaler Kollegen zur ältesten Kunstmesse Europas, der 1934 gegründeten Grosvenor House.

Hier wechselte etwa Pieter Breughels d. Jüngeren L'Auberge S. Michel bei Johnny Van Haeften für rund eine Million Pfund den Besitzer. Anderes, wie das um 1880 von Karl Rössler in Wien ausgeführte Bergkristall-Horn mit emaillierter Silbermontierung wartet bei einer Verhandlungsbasis von 145.000 Pfund noch auf einen Käufer. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22.6.2006)

  • The Summer Fair Olympia: Bei Marks Antiques im Angebot: 500.000 Pfund teures Paar Silberleuchter.
    foto: marks-antiques

    The Summer Fair Olympia: Bei Marks Antiques im Angebot: 500.000 Pfund teures Paar Silberleuchter.

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