Erstes Tor für Angola zu wenig

21. Juni 2006, 18:57
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Die Afrikaner holten mit dem 1:1 gegen den Iran ihren zweiten Punkt und müssen sich nach gutem Auftritt von der WM verabschieden

Leipzig - Während Angola mit einem 1:1 im abschließenden Match der Gruppe D das Achtelfinale der Fußball-WM in Deutschland verpasst hat, ist es dem Iran mit dem Remis gelungen, das bisher schlechteste Endrunden-Abschneiden noch abzuwenden. Doch eigentlich hätte der dreifache Asienmeister, der vor exakt acht Jahren - am 21. Juni 1998 in Lyon - seinen legendären 2:1-WM-Triumph über die USA gefeiert hatte, vor 40.000 Zuschauern in Leipzig siegen müssen.

Die ersatzgeschwächten Iraner übernahmen nämlich von Beginn weg das Kommando. Ihre erste hochkarätige Möglichkeit vergab der nach einer Grippe und Muskelproblemen wiedergenesene Ferydoon Zandi, der nach Idealpass von Vahid Hashemian aus spitzem Winkel an Angola-Schlussmann Ricardo scheiterte (14.).

Zehn Minuten später ließ Kapitän Ali Daei nach Maßflanke von Mehdi Mahdavikia eine riesige Kopfballchance aus (24.), während ein toller Kopfball von "Helikopter" Hashemian nach Mahdavikia-Corner den am langen Eck stehenden Mendonca traf (27.). Dazu hatte Ricardo auch noch große Probleme bei einem Weitschuss von Andranik Teymourian (40.).

Auf der Gegenseite gingen Schüsse von Angola-Stürmer Akwa weit übers Tor (29., 30.), erst in der Nachspielzeit musste Irans Tormann Ebrahim Mirzapour nach Cabungula-Weitschuss erstmals "eingreifen" (45+3). Unmittelbar nach dem Wechsel ging ein Mendonca-Fernversuch knapp am kurzen Eck vorbei, doch Mirzapour wäre erneut auf dem Posten gewesen (46.).

Aber nach knapp einer Stunde war auch Irans Schlussmann nach einem schnellen Konter der Angolaner sowie schweren Deckungsfehler auf der rechten Abwehrseite machtlos: Nach einem 40-Meter-Traumpass von Figueiredo sowie einer Maßflanke von Ze Kalanga besorgte der erst neun Minuten zuvor eingewechselte Flavio per Kopf die etwas überraschende Führung für Angola (60.).

Auf Grund des Rückstandes waren die Iraner zu einer noch offensiveren Spielweise gezwungen, durch die Einwechslung von Stürmer Arash Borhani wurde die Viererkette aufgelöst. Diese Umstellung machte sich eine Viertelstunde vor Matchende bezahlt: Nach einem Mahdavikia-Corner besorgte Sohrab Bakhtiarizadeh mit einem herrlichen Kopfball den Ausgleich und zugleich Endstand (75.).

Damit schaffte Angola beim WM-Debüt nach dem 0:1 gegen Portugal und dem 0:0 gegen Mexiko den zweiten Punkt und den ersten Torerfolg, mit dem die Afrikaner die Gruppe D hinter den Portugiesen und Mexikanern, die im Parallelspiel um dem Pool-Sieg dem Vizeeuropameister 1:2 (1:2) unterlagen, auf Rang drei beendeten. Für den Iran war es dagegen im letzten Spiel unter dem kroatischen Teamchef Branko Ivankovic nach dem 1:3 gegen die Mexikaner und 0:2 gegen die Portugiesen der erste zählbare Erfolg bei der WM in Deutschland.

Trotzdem wird das Turnier den iranischen Fans alles andere als gut in Erinnerung bleiben. Ursprünglich mit dem Ziel angetreten, bei der dritten WM-Teilnahme erstmals die Gruppenphase zu überstehen, hätte es für die Ivankovic-Mannschaft auf Grund interner Streitigkeiten - vor allem der 37-jährige Rekordteamspieler und -torschütze Ali Daei (149 Einsätze und 109 Tore/FIFA-Weltrekord) stand schwer in der Kritik - beinahe das schlechteste Abschneiden gesetzt.

Denn 1978 in Argentinien schaffte der Iran immerhin gegen Schottland ein 1:1, 1998 in Frankreich den eingangs erwähnten Triumph über die USA, den politischen Erzfeind des Regimes der Islamischen Republik, und damit den dritten Gruppenrang. Diesmal reichte es aber wie 1978 nur zum letzten Platz im Vorrunden-Pool. (APA)

Gruppe D:

  • Iran - Angola 1:1 (0:0). Leipzig, 40.000 Zuschauer, Schiedsrichter Mark Shield (Australien).

    Tore: 0:1 (60.) Flavio
    1:1 (75.) Bakhtiarizadeh

    Iran: Mirzapour - Kaebi (67. Borhani), Bakhtiarizadeh, Razaei, Nosrati (13. Soleimani) - Mahdavikia, Teymourian, Hashemian (39. Khatibi), Zandi, Mandanchi - Ali Daei

    Angola: Ricardo - Loco, Jamba, Kali, Delgado - Ze Kalanga, Figueiredo (73. Marques), Mateus (23. Cabungula), Miloy, Mendonca - Akwa (51. Flavio)

    Gelbe Karten: Mandanchi, Teymourian, Zandi bzw. Loco, Mendonca, Ze Kalanga

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