Pressestundenschwänzer Schüssel

21. Juni 2006, 18:00
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Der 25. Juni war für den Kanzler reserviert: Dieser zögert wegen Terminproblemen - vielleicht aber auch weil es wenig zu kommunizieren gibt

Dass die ÖVP derzeit äußerst bemüht ist, dem BZÖ den Wiedereinzug ins Parlament zu erleichtern, ist nicht zu übersehen. Kommenden Sonntag hätte sie wieder eine Gelegenheit, ihrem kleinen Koalitionspartner einen großen Gefallen zu tun. Bekanntlich war BZÖ-Spitzenkandidat Peter Westenthaler noch nicht in der ORF-Pressestunde, was den bildschirmaffinen Vielredner recht wurmt.

Seine Hoffnungen, noch vor Parlamentsschluss einen großen Auftritt im Fernsehstudio zu ergattern, waren verschwindend gering. Denn die traditionelle Journalistenfragestunde findet nur mehr zwei Mal vor der Sommerpause statt: Am 2. Juli, an dem Bundespräsident Heinz Fischer Gast im Studio sein wird, und kommenden Sonntag, am 25. Juni. Dieser Termin war für Bundeskanzler Wolfgang Schüssel reserviert.

Doch Schüssel zögert noch mit einer Zusage, dem Vernehmen nach hat der viel beschäftigte Ratspräsident Terminprobleme. Vielleicht ist er sich auch bewusst, dass es momentan nicht allzu viel zu kommunizieren gibt. Einziges Regierungsthema abseits der EU-Ratpräsidentschaftsbilanz ist der leidige Ortstafelkonflikt.

Westenthaler hingegen könnte sich am Sonntag als frisch gekürter BZÖ-OBmann präsentieren. Am Freitag halten die Orangen ihren Parteikonvent in Salzburg ab, bei dem die Umorganisation des Bündnisses über die Bühne gehen wird. Kenner des politischen Quid-pro-quo vermuten auch, dass ein Extra-Auftritt Westenthalers das BZÖ für die anstehende Wahl der ÖVP-Favoritin Monika Lindner zur ORF-Generalintendantin gnädiger stimmen könnte.

Terminprobleme gibt es beim designierten orangen Chef jedenfals nicht. Westenthaler zum Standard: "Einladung habe ich noch keine, aber selbstverständlich ginge ich hin." (DER STANDARD, Printausgabe, 22.6.2006)

Von Barbara Tóth
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    foto: orf/peter kurz
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