Steirischer "Estag-Skandal" löst sich langsam in Luft auf

7. Juli 2006, 11:57
posten

Justizakt wird ad acta gelegt – Neuer Aufsichtsrat – Top-Ergebnis

Graz/Wien – Die Landtagswahl ist längst vorbei, nun regiert die SPÖ die Steiermark, und mit dem zeitlichen Abstand sieht auch jener Skandal, der das Land erschüttert hatte – der so genannte "Estag-Skandal" – ziemlich relativ aus.

"Im Grunde hatten wir ja ein im Kern gesundes, solides Unternehmen übernommen, das aber durch politische und mediale Diskussionen ziemlich durchgebeutelt war", resümierte der heutige Vorstandschef des Landeskonzern Energie Steiermark AG , Karl-Franz Maier, Dienstagabend im Grazer Zigarrenclub von Pleon Publico.

Skandal

Der, wie es hieß, – "größte steirische Skandal der Nachkriegsgeschichte" – es ging um verfehlte Beteiligungspolitik, Männerbünde und Vorstandsgehälter – hatte nach massivem medialen Druck der Lokalpresse den Rausschmiss dreier Vorstände, den Rücktritt des damaligen ÖVP-Landesrates Herbert Paierl und letztlich auch den Wahlverlust der ÖVP zur Folge.

Dem Vernehmen nach nichts übrig geblieben ist auch von den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft in der Causa Estag. Die Justiz untersuchte fast drei Jahre lang, fand aber keine strafrechtlich relevanten Verfehlungen des Managements. Der Estag-Akt wird seit kurzem im Justizministerium geprüft und dürfte demnächst ad acta gelegt werden. Im Ministerium heißt es dazu, man müsse "moralisches Fehlverhalten von Managern trennen von strafrechtlich relevanten Fakten".

Das Unternehmen stehe heute topfit da, sagte Maier. Der Umsatz habe zur Krisenzeit 2003 rund 840 Mio. Euro betragen, 2006 werden 1,2 Mrd. Euro erwartet. Das Konzernergebnis vor Steuern lag 2003 bei 25 Mio. Euro, es werde sich bis 2007 auf 130 Mio. Euro mehr als verfünffachen.

Ein Sesselrücken im Aufsichtsrat der Estag-Tochter SSG hat ein STANDARD-Bericht ausgelöst. Ausgerechnet der Rechtsvertreter der Gegner der 380-KV-Leitung, die der Verbund mit der SSG plant, war in den SSG-Aufsichtsrat nominiert worden. Nachdem die Doppelfunktion öffentlich wurde, zog sich der Jurist jetzt zurück. Ihm wird aller Voraussicht der Grazer Rechtsanwalt Reinhard Tögl folgen. Tögl sitzt mit Estag-Aufsichtsratschef Peter Schachner-Blazizek im Vorstand der SP-nahen "Zukunft Steiermark Privatstiftung". (Walter Müller, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22.6.2006)

Share if you care.