Pharmig kritisiert Rauch-Kallat

27. Juli 2006, 14:30
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Mehr Selbstmedikation untergrabe das Solidarsystem, wird befürchtet

Wien – Die Aussage von Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat vor einem Arzneimittelkongress Anfang Juni in Athen, mit mehr Selbstmedikation beim Patienten für eine Verringerung bei den staatlichen Gesundheitskosten zu sorgen, löst bei der Pharmig, der Interessenvertretung der pharmazeutischen Industrie Österreichs "Befremden" aus und mündete jetzt in einen offenen Brief an die Ministerin:

"Es ist unüblich und unverhältnismäßig, wenn eine amtierende Ratsvorsitzende der EU-Gesundheitsminister die 25 Mitgliedstaaten in dieser Form auffordert, gemeinsam gegen die Arzneimittelindustrie aufzutreten", heißt es in dem Brief.

Die Interessenvertretung sei nämlich gegenteiliger Überzeugung: Würde man das Sortiment der von den Solidarsystemen bezahlten Medikamente noch mehr durch forsten – wie bei dem Kongress gefordert – und sich "auf das (zu) konzentrieren, was in der großen Masse notwendig ist" (so Rauch-Kallat während des Kongresses), würde man künftig seltene Krankheiten weniger leicht mit Medikamenten versorgen können, befürchtet die Pharmig: "Heißt das, dass Patienten lebensnotwendige Medikamente selbst bezahlen müssen oder dass es manche Medikamente gar nicht mehr geben wird?", fragt sich Hubert Dreßler, Präsident der Pharmig, in dem Brief und meint weiter: "Als Interessenvertretung eines wichtigen Bereichs des Gesundheitswesens können wir uns Ihre Wortmeldungen nur durch eine tief verwurzelte negative Grundeinstellung gegenüber der Pharmawirtschaft erklären." (ruz, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22.6.2006)

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