Streubesitz übernahm bei SEG Immobilien die Kontrolle

4. Juli 2006, 16:05
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Die defizitäre Immobiliengesellschaft SEG ist bei der Hauptversammlung kalt übernommen worden. Der neue Aufsichtsratschef gibt im Auftrag der Generali nun die Marschrichtung vor

Wien – Bei der börsennotierten Immobiliengesellschaft SEG hat ab sofort ein Teil des Streubesitzes, der 15 Prozent der Aktien hält, das Sagen. Den Aufsichtsratsvorsitz übernahm der Anwalt Kurt Berger – der für die Generali- Versicherung fünf Prozent an der SEG hält. Berger war es auch, der beim Börsenrückzug der Generali vor wenigen Wochen – damals für den Streubesitz – eine deutlich höheres Abfindungsangebot von der Generali erkämpfte.

Der "kampflose" Wechsel im Aufsichtsrat fand bei der Hauptversammlung (HV) am Dienstag statt. Aktionärsvertreter meinten nach der fast sechsstündigen Sitzung, "was sich da abspielte, war einzigartig in der Geschichte eines börsennotierten Unternehmens."

Berger will nun vor allem eines: Die Liquidität des Unternehmens sichern, und zwar rasch. Denn die BA-CA hat bereits im Jänner 2006 per 31. Juli 2006 Kredite im Volumen von 13 Mio. Euro fällig gestellt. Prüfen will der neue Aufsichtsrat (dem auch Anleger-Vertreter Wilhelm Rasinger, Thomas Kallinger, Wolfgang Hufnagl und Alexandra Sedelmayer angehören) die geplante Übernahme der SEG durch die Immobiliengesellschaft Eco. Eco ist bereit, maximal vier Euro je Aktie zu bezahlen. Das ist weniger als der "net asset value", der zwischen fünf und sechs Euro pro Aktie liegt. Dazu kommen noch Verlustvorträge von 30 Mio. Euro. Die Aktie schloss am Mittwoch um fast vier Prozent tiefer bei 3,70 Euro.

Eco-Chef Friedrich Scheck, gab am Mittwoch den Abschluss der bisher größten Eco-Kapitalerhöhung bekannt, die einen Erlös von 70 Mio. Euro brachte. Scheck will in den nächsten 14 Tagen entscheiden, unter welchen Voraussetzungen Eco bereit ist, die SEG zu übernehmen. Berger ist jedenfalls zuversichtlich, "die SEG und auch die Übernahme kurzfristig in ein geordnetes Fahrwasser zu bringen".

Aufsichtsrat prüft

Eng werden dürfte es hingegen für SEG-Gründerin und -Chefin Silvia Wustinger-Renezeder: Ihr Finanzchef, Alfred Gabler, hat bei der HV seine Funktion zurückgelegt. Der neue Aufsichtsrat wird nun prüfen, ob sämtliche Geschäfte der SEG-Chefin rechtens waren. Wenn nicht, so wird sie auf Schadenersatz geklagt. Sollte der SEG-Verkauf innerhalb der nächsten 14 Tage über die Bühne gehen, hat Wustinger-Renezeder Chancen zu bleiben, wenn nicht, wären ihre Tage wohl gezählt. Insbesondere verlangt Berger Auskunft über rund eine Million Euro, die Wustinger-Renezeder im Vorjahr an Honoraren und Provisionen von der SEG kassiert hat.

Der neue Aufsichtsrat zum weiteren Prozedere: Den wirtschaftlichen Fortbestand der SEG sichern, eine geordnete Übergabe an einen strategischen Partner und die Aufarbeitung der Vergangenheit. Zu den Aktionären der SEG gehören neben der Generali und dem Streubesitz Wustinger-Renezeder mit 30 Prozent, Berhard Braunsberger (zehn Prozent) und die Merkur Versicherung mit acht Prozent. Bei der HV wurden weder Vorstand noch Aufsichtsrat entlastet. Die SEG hat im Vorjahr einen Verlust von sechs Mio. Euro erzielt, der durch die Abwertung des Immobilienvermögens entstand. (Claudia Ruff, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22.6.2006)

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