Grünen-Chef Bütikofer nennt Ahmadinejad "Islamofaschisten"

26. Juni 2006, 18:53
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Proteste gegen iranische Staatsführung in Leipzig anlässlich des Fußballmatchs Iran-Angola - Solidarität mit Israel bekundet

Leipzig - Grünen-Chef Reinhard Bütikofer hat Irans Präsident Mahmoud Ahmadinejad während einer Demonstration in Leipzig als "Islamofaschisten" bezeichnet. Man werde Ahmadinejad die Stirne bieten, während man dem iranischen Volk die Hand reiche, sagte Bütikofer am Mittwoch in der sächsischen Metropole. Der Grünen-Politiker nannte es "widerlich, wenn sich deutsche Neonazis mit anderen Antisemiten zusammenschließen".

Bütikofer bedankte sich bei all denjenigen, die mit ihrem Protest und ihrem Widerstand deutlich gemacht hätten, dass der iranische Präsident in Deutschland nicht willkommen sei. Er kritisierte Innenminister Wolfgang Schäuble, der im Vorfeld der WM geäußert hatte, die Bundesrepublik werde sich auch bei einem Besuch Ahmadinejads als guter Gastgeber zeigen. Hier habe Schäuble die falschen Worte gefunden, sagte Bütikofer.

Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung sagte bei der Kundgebung, man heiße die iranische Mannschaft und die iranischen Fans aufs Herzlichste in der Stadt willkommen. "Es gibt von uns aber auch ein klares Nein zu Antisemitismus und antisemitischen Äußerungen der iranischen Regierung", unterstrich der SPD-Politiker. Es könne niemandem gleichgültig sein, wenn der Völkermord an den Juden geleugnet werde. "Als Deutsche müssen wir dann unsere Stimme erheben."

Etwa 250 Menschen bei Demonstration

Etwa 250 Menschen haben am Mittwoch kurz vor dem Vorrundenspiel Iran-Angola in Leipzig gegen die Politik der iranischen Staatsführung protestiert. Auf Transparenten bekundeten die nach Polizeiangaben rund 200 Teilnehmer ihre Solidarität mit Israel. Die Kundgebung, zu der ein Bündnis gegen Antisemitismus aufgerufen hatte, richtete sich vor allem gegen Präsident Ahmadinejad, der wegen seiner Atompolitik und antisemitischer Äußerungen weltweit kritisiert wurde. Er hatte mehrfach auch die Vernichtung des jüdischen Staates gefordert. Beifall hatte er für seine Äußerungen von Rechtsextremisten erhalten.

"Viva Israel - es lebe die Freiheit" und "Nie wieder - never again" war auf Transparenten zu lesen. Bereits bei den anderen Sielen des Iran in Nürnberg und Frankfurt hatte es Proteste gegen Irans Staatsführung gegeben. Da die rechtsextreme NPD im Vorfeld "kreative Werbeaktionen" angekündigt hatte, war von der Leipziger Polizei die höchste Sicherheitsstufe ausgerufen worden. Rund 1800 Beamte und damit deutlich mehr als zuletzt seien im Einsatz, sagte ein Sprecher. Die Polizei stellte sich auch auf kleinere Aktionen von Rechtsradikalen am Rande des Spiels ein. Von rechten Gruppierungen oder Plakaten oder Flugblättern der NPD war allerdings zu Beginn der Kundgebung nichts zu sehen.

Das Spiel Iran-Angola wird um 16.00 Uhr im Zentralstadion angepfiffen. Der Iran hat keine Chance mehr, in die nächste Runde zu gelangen. Daher wurde auch kein hochrangiger Vertreter der iranischen Staatsführung in Leipzig erwartet. Nach Angaben des sächsischen Innenministeriums hat der iranische Vizepräsident Mohammed Aliabadi, der zu Beginn des Turniers die Eröffnungsfeier und die ersten Spiele seiner Mannschaft besucht hatte, Deutschland inzwischen verlassen. (APA/Reuters)

  • Proteste gegen die Politik des Iran.
    epa/jan peter kasper

    Proteste gegen die Politik des Iran.

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