Pfefferminze

26. Juni 2006, 15:42
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Das gezackte grüne Blatt schmeckt nicht nur erfrischend - Pfefferminze wirkt kühlend, antiseptisch und schmerzstillend

Schon die alten Ägypter nutzten die Minze als Heil- und Gewürzpflanze. Sie gehört zur Familie der Lippenblütengewächse und wächst in vielen verschiedenen Arten. In Europa wildwachsende Arten sind zum Beispiel die Acker-, Bach- und Frauenminze. Die Blätter der Pflanzen können über einen halben Meter hoch werden und haben gezackte Blätter. Im Juli oder August blüht die Minze in den Farben rosa, violett oder weiß. Die besonders heilkräftige Pfefferminze (Mentha piperita) wird als Kulturpflanze angebaut.

Stammpflanze

Mentha x piperita L. (Lamiaceae)

Verwendeter Pflanzenteil

Laubblätter (Menthae piperitae folium)

Inhaltsstoffe

Ätherisches Öl: 0,8-4 Prozent, Menthol (35-70 Prozent), Menthylacetat (3-17 Prozent), Menthon (15-40 Prozent) und Menthofuran (2,5-7 Prozent), 1,8-Cineol (6-8 Prozent), Isomenthon (2-3 Prozent), Neomenthol (2,5-3,5 Prozent), beta-Caryophyllen (0,5-1,5 Prozent) und trans-Sabinenhydrat (1 Prozent). Lamiaceengerbstoff: vom Typ der Rosmarinsäure (3,5-4,5 Prozent), außerdem freie Phenolcarbonsäuren (z. B. Kaffee- und Chlorogensäure).

Weitere Inhaltsstoffe: Flavone (darunter Menthosid, Luteolin-7-rhamnoglukosid, Rutin und Hesperetin), Triterpensäuren (Ursolsäure, Oleanolsäure), Lipide (Neutralfette und freie Fettsäuren).

Indikationen

Innerlich: krampfartige Beschwerden im Magen-Darm-Bereich sowie der Gallenblase und -wege; Katarrhe der oberen Luftwege; Mundschleimhautentzündungen. Äußerlich: Muskel- und Nervenschmerzen, Kopfschmerzen, Pruritus.

Therapeutisch relevante Wirkungen

Pfefferminztee führt zu einer beträchtlichen Steigerung der Gallenproduktion, wobei an der Wirkung neben dem ätherischen Öl vermutlich auch Flavonoide beteiligt sind. Als choleretische Prinzipien der Blätter kommen die Phenolcarbonsäuren Chlorogen-, Kaffee- und Rosmarinsäure in Frage. Pfefferminzextrakte führen zu einer Tonussenkung des unteren Ösophagussphinkter.

Die Komponenten des ätherischen Öls wirken sekretionsfördernd auf direktem und reflektorischem Wege. Es kommt zur Freisetzung von Salzsäure, Pepsin, Gastrin, Histamin und Prostaglandinen und dadurch zur Stimulierung der Magen- und Darmmotilität. Ein Pfefferminzextrakt (in Kombination mit anderen karminativ wirksamen Drogen wie Kümmel, Fenchel und Wermut) zeigte bei Patienten mit Oberbauchbeschwerden (Krämpfe, Erbrechen, Schwindel) eine ähnliche Wirksamkeit wie Metoclopramid.

Wirkung bei Spannungskopfschmerzen

Bei lokaler Anwendung von Pfefferminzöl auf der Haut, selbst in geringen Mengen, kommt es zu einer Sensibilisierung und Stimulation von Kälte- und Druckrezeptoren mit konsekutiver Auslösung eines lang anhaltenden Kältegefühls im Bereich der Applikation. Die Anregung der Kälterezeptoren unterdrückt die Schmerzweiterleitung. Die lokale Applikation von Pfefferminzöl auf der intakten Haut des Gesichtes führt beim Gesunden zu einer erheblichen Steigerung des Blutflusses in den Hautkapillaren.

Der Einsatz von zehnprozentigem Pfefferminzöl in ethanolischer Lösung in der Kupierung des Kopfschmerzes vom Spannungstyp stellt eine verträgliche Alternative zu anderen therapeutischen Möglichkeiten dar. Pfefferminzöl ist der Standardmedikation mit Paracetamol hinsichtlich Wirksamkeit und Schnelligkeit des Wirkeintritts ebenbürtig.

Erkältungskrankheiten

Bei Teemedikation ist reflektorisch über Reizung der Magenschleimhäute mit expektorierenden Wirkungen zu rechnen. Nach Inhalation erreicht Pfefferminzöl in der Lunge therapeutisch relevante Konzentrationen. Für Menthol wurden bronchospasmolytische Effekte nachgewiesen.

Weitere Wirkungen

Pfefferminzöl ist äußerlich als schmerzstillende Einreibung bei Nerven- und Gliederschmerzen sowie Weichteilrheumatismus wirksam. Antiemetische Wirkung: Pfefferminzöl übt eine anästhesierende Wirkung auf die Magenschleimhaut aus, wodurch die antiemetische Wirkung bei Übelkeit und Erbrechen erklärt werden kann.

Antimikrobielle, antivirale und antimykotische Wirkungen: Pfefferminzöl besitzt desinfizierende, antimikrobielle und antimykotische Wirkungen. Die bei therapeutischer Anwendung erzielbaren Konzentrationen im Gewebe sind aber meist nicht ausreichend, um den Einsatz von Antibiotika oder Chemotherapeutika zu umgehen.

Geschmacks- und Geruchskorrigens

Pfefferminzöl wird sehr häufig als Geschmacks- und Geruchskorrigens verwendet: in der kosmetischen Industrie zur Aromatisierung von Mundsprays, Mundwässern und Zahnpasten; in der Lebensmittelindustrie für Kaugummi, Schokoladen, Süßwaren und Liköre; in der pharmazeutischen Industrie als Korrigens für Pulver, Liquidapräparate und sofortlösliche Tees in einer Konzentration bis 0,1 Prozent; es stellt einen beliebten Bestandteil in Lutschtabletten und Lutschbonbons bei Pharyngitis und Husten dar.

Unerwünschte Wirkungen

Akute Vergiftungsfälle mit Pfefferminzöl beim Menschen sind nicht bekannt. Vorsicht bei Säuglingen und Kleinkindern: Mentholhaltige Präparate dürfen nicht als konzentrierte Dämpfe zur Inhalation verwendet werden oder in die Nase eingerieben oder eingeträufelt werden, da es reflektorisch zu Atemstillstand kommen kann.

Empfohlene Dosierung

Innerlich: mittlere Tagesdosis: 3-6 g Droge, 6-12 Tropfen ätherisches Öl, 5-15 g Tinktur. Inhalation: 3-4 Tropfen in heißes Wasser geben und die Dämpfe einatmen. Äußerlich: 2-4mal täglich einige Tropfen in die betroffene Hautpartie einreiben. Berechnungsgrundlage: 4,5 g Droge, 9 Tropfen ätherisches Öl (= 140 mg). (red)

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Phytokodex

Von Univ.-Prof. Dr. Reinhard Länger, Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Kubelka

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