Squadra ohne Lust auf Brasilien

22. Juni 2006, 18:15
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Italien will Selecao aus dem Achtelfinal-Weg gehen, Tschechien muss unbedingt siegen, um im Fernduell mit Ghana Aufstieg zu fixieren

Wien/Hamburg - Italien hat am Donnerstag zum Abschluss der spannenden Gruppe E gegen Tschechien in Hamburg (16 Uhr) drei Punkte im Fußball-WM-Visier. Ein Sieg würde der Squadra Azzurra den ersten Tabellenplatz sichern und ein Duell mit Titelverteidiger Brasilien schon im Achtelfinale ersparen. Der fünffache Weltmeister sollte sich nämlich am selben Tag in Dortmund gegen Japan nicht mehr von der Spitze im Pool F verdrängen lassen.

"Das ist natürlich eine zusätzliche Motivation für uns. Wir gehen raus, um zu gewinnen", sagte der 32-jährige Italo-Kapitän Fabio Cannavaro von Juventus Turin. Im Falle einer Niederlage droht dem dreifachen Weltmeister wie zuletzt 1974 in Deutschland schon nach der Gruppen-Phase (1:2 gegen Polen) das Turnier-Abseits. Die Tabellensituation erfordert jedenfalls Nervenstärke. Ein weiteres "Desastro italiano" wie zuletzt bei der EM 2004 in Portugal wollen die von einem Manipulationsskandal erschütterten Italiener unbedingt vermeiden.

Ausgerechnet vor dem Tschechien-Spiel kochte die Affäre in der Heimat wieder auf. Chefankläger Francesco Saverio Borrelli hat seine Ermittlung abschlossen und seinen Bericht der Untersuchung an den italienischen Verband übergeben. Die damit wieder lauter gewordene Diskussion um einen drohenden Zwangsabstieg von Rekordmeister Juve kommt für die Squadra ungelegen. Teamchef Marcello Lippi bat die Verbandsbosse, während der WM keine Vorladungen an Spieler zu verschicken.

"Nach allem, was passiert ist, dürfen wir nicht schon nach Hause fahren. Wir sind bereit für die Schlacht", verkündete Milan-Mann Gennaro Gattuso, der auf dem Rasen kein Kind von Traurigkeit ist. Der Mittelfeldspieler und seine Kollegen versuchen, den Skandal zu verdrängen und wollen wieder für positive Schlagzeilen sorgen. Die Südeuropäer haben sich vorgenommen, ihre 20 Länderspiele währende Serie ohne Niederlage zu prolongieren. Schon ein Remis würde zwei Fliegen auf einen Schlag bedeuten.

Lippi versprach mehr, eine Wiedergutmachung für das magere 1:1 zuletzt gegen die USA. "Wir haben alles selbst in der Hand. Wir spielen besser, wenn es ums Ganze geht", sagte der Teamchef, dessen Mannen mit einem 2:0 über Ghana ins Turnier gestartet waren. Lippi muss im Mittelfeld den gegen die USA wegen Tätlichkeit vom Feld geflogenen Daniele de Rossi ersetzen. Als Alternative kommt Gattuso in Frage, dem die Aufgabe zufallen könnte, Tschechiens Star Pavel Nedved auszuschalten. "Das wäre eine Ehre", freut sich Gattuso auf Nedved, den er aus der Serie A von den Duellen Milan - Juve gut kennt.

Karel Brückner fallen mit Tomas Ujfalusi, Jan Koller (beide verletzt) und dem Salzburg-Legionär Vratislav Lokvenc (gesperrt) gleich drei Leute aus. Nedved, der wie Koller und Karel Poborsky möglicherweise zum letzten Mal den Teamdress tragen könnte, meinte: "Wir haben von den vier Teams die schlechtesten Chancen auf den Aufstieg, vermutlich muss ein Wunder geschehen." Tomas Rosicky fand aufmunternde Worte: "Noch können wir es aus eigener Kraft schaffen. Wir werden kämpfen."

Wunderbares ist vor dem Spiel schon geschehen. Die unerwartete Genesung von Milan Baros ist zur rechten Zeit gekommen und verleiht Hoffnung. Die Bäderdehnung in der linken Ferse bereitet dem Legionär von Aston Villa zwar noch immer Probleme, hindert den EM-Torschützenkönig von 2004 nach 16-tägiger Zwangspause aber nicht an einem Comeback. "Wenn es nicht eine WM wäre, würde ich sagen: Leider, es geht nicht. Aber ich will dem Team helfen", sagte der Stürmer.

Für die Tschechen, erstmals seit 1990 (damals CSFR) als eigenständiges Land mit von der WM-Partie, könnte nach dem 0:2 gegen Ghana ein Remis zu wenig sein, wenn der vierfache Afrika-Meister gleichzeitig gegen die USA in Nürnberg gewinnt. Zum bisher jüngsten WM-Treffen Tschechien (CSFR) - Italien kam es 1990 in der Österreich-Gruppe, als der WM-Gastgeber 2:0 gewann. Die Tschechen stiegen damals als Zweiter trotzdem ins Achtelfinale auf und schieden erst im Viertelfinale (0:1 gegen Deutschland) aus. (APA/AP/dpa)

  • TSCHECHIEN - ITALIEN (Hamburger Stadion, 16 Uhr, Schiedsrichter Benito Archundia/Mexiko):

    Tschechien: 1 Cech - 2 Grygera, 6 Jankulovski, 22 Rozehnal, 13 Jiranek oder 5 Radoslav Kovac - 8 Poborsky, 18 Heinz, 10 Rosicky, 4 Galasek, 11 Nedved - 15 Baros Es fehlt: Ujfalusi, Keller (beide verletzt), Lokvenc (gesperrt)

    Italien: 1 Buffon - 2 Zaccardo, 13 Nesta, 5 Cannavaro, 3 Grosso - 21 Pirlo, 8 Gattuso, 19 Zambrotta, 10 Totti - 9 Toni, 11 Gilardino Fraglich: Gilardino (Knöchelverletzung), Perrotta (Hüftprellung) Es fehlen: De Rossi (gesperrt)

    • Bild nicht mehr verfügbar

      Lippi gibt letzte Instruktionen.

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