Ghana: Mit Sieg zum Aufstieg

22. Juni 2006, 18:07
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Auch Gegner USA noch mit minimaler Aufstiegschance

Wien/Nürnberg - Von den fünf afrikanischen Vertretern, die an der 18. Fußball-WM-Endrunde in Deutschland teilnehmen, hat Ghana mit dem unerwarteten 2:0 gegen Tschechien den bisher einzigen Sieg eingefahren. Und der WM-Debütant besitzt nach dem Aus für die Elfenbeinküste und Togo vom verbliebenen Trio auch die besten Chancen, ins Achtelfinale einzuziehen. Weitere drei Punkte am Donnerstag in Nürnberg gegen die USA und die Sensation wäre geschafft.

In der rechnerisch wohl "kompliziertesten" Gruppe E würde den Westafrikanern (3 Punkte) ein weiterer Sieg den sicheren Aufstieg bringen, egal wie das Parallelspiel Tschechien (3) - Italien (4) in Hamburg endet. Gehen beide Partien Remis aus, wären die Italiener und die Tschechen weiter. Sollte das Hamburg-Duell X enden und Nürnberg-Partie einen ghanaischen Sieg bringen, dann hießen die beiden Aufsteiger Italien und Ghana. Wobei der Außenseiter dann sogar Tabellenerster wäre und auf den Zweiten des Brasilien-Pools träfe.

Der große Schwarze Kontinent fiebert mit einem kleinen Land mit, die Schwarzen Stars wollen wie Senegal vor vier Jahren (erst im Viertelfinale nach Verlängerung 0:1 durch Golden Goal gegen Türkei out) in Asien die Etablierten das Fürchten lehren. "Ich glaube, nun sind wir die Fahnenträger Afrikas und wir müssen sie hoch halten und Afrikas WM-Teilnahme rechtfertigen", erklärte Kwesi Nyantakyi, der Präsident des Fußball-Verbandes Ghanas (GFA).

Und Teammanager Anthony Baffoe formulierte es noch deutlicher: "Ganz Afrika hofft auf uns, denn wir wollen für 2010 einen sechsten Startplatz". Die Spieler wissen alle, dass sie eine große Möglichkeit haben. "Wir beten jeden Tag, damit wir unsere beste Leistung bringen können. Wir wollen es machen wie Senegal - und vielleicht noch besser", meinte Verteidiger Sulley Ali Muntari (Udinese), der aber so wie Asamoah Gyan gesperrt ist.

Dass die beiden Spieler, die gegen die Tschechen die zwei Tore erzielten, fehlen, stimmt den 60-jährigen Teamchef Ratomir Dujkovic schon nachdenklich. "Es ist schwer, einen Mann mit den Fähigkeiten von Muntari zu ersetzen, aber wir versuchen, jemand anderen auf diese Rolle vorzubereiten", sagte der Serbe, der den Vergleich mit den Senegal gar nicht gerne hörte, weil "wir sind nicht Senegal". Doch in der Heimat wird während des Gruppen-Finales sicher wieder fast alles still stehen.

Der halbe Donnerstag wurde schon jetzt zum Feiertag ausgerufen, ähnlich wie in Deutschland der WM-Gastgeber, zeigt die gesamte Nation Flagge. Die Menschen in der Hauptstadt Accra sind ebenso geschmückt wie Häuser, Autos und Zweiräder. Die Preise nachgemachter Teamdressen haben sich auf umgerechnet 12 Euro verdoppelt - sie gehen trotzdem weg wie warme Semmeln. Und selbst UN-Generalsekretär Kofi Annan drückt seinen Landsleuten die Daumen. "Wenn wir das Finale erreichen, wird er sicher kommen", meinte Nyantakyi.

Die US-Boys hoffen auf einen vollen Erfolg Italiens gegen Tschechien und müssen auch selbst drei Punkte einfahren, um ihre kleine Chance auf das Achtelfinale zu wahren. Die Statistik verheißt allerdings nichts gutes, das bisher einzige (freundschaftliche) Länderspiel hat Ghana 1:0 am 15. September 1983 gewonnen. "Unser Ziel ist völlig klar, wir denken nur ans Gewinnen", sagte US-Teamchef Bruce Arena, der mit Mastroeni und Pope ebenfalls zwei Gesperrte hat.

Über die Ghanaer, gegen die er auf eine stabile Abwehr und eine Kontertaktik setzt, spricht er mit großem Respekt. "Sie sind sehr gewandt und spielen mit hohem Tempo. Das könnte zu unserem größten Problem werden", erklärte der 54-Jährige, der den mit 38 Mio. Euro teuersten afrikanischen Fußballer, Michael Essien (Mittelfeldstar), gar für "einen der besten Spieler dieses Turniers" hält. Arena versucht alles, den Druck von seiner Truppe zu nehmen. "Unser Ziel war es hier, aus den ersten zwei Partien einen Punkt zu holen, das ist uns gelungen." (APA/dpa/Reuters)

  • GHANA - USA (Nürnberger Stadion, 16 Uhr, Schiedsrichter Markus Merk/Deutschland):

    Ghana: 22 Kingston - 15 Paintsil, 13 Mohammed, 5 Mensah, 7 Shilla - 20 O. Addo, 9 Boateng, 8 Essien, 10 Appiah - 14 Amoah, 19 Pimpong Es fehlen: Gyan, Muntari (beide gesperrt)

    USA: 18 Keller - 6 Cherundolo, 22 Onyewu, 13 Conrad, 3 Bocanegra - 17 Bearsley 10 Reyna, 21 Donovan, 8 Dempsey - 20 McBride, 9 Johnson Es fehlen: Mastroeni, Pope (beide gesperrt)

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