Leiche im Kühlschrank: "Verdächtiger" legte erstes Geständnis ab

27. Juni 2006, 14:30
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Arbeiter fanden die Leichenteile in Lagerraum - Fleischhauer soll junge Frau erwürgt und zerstückelt haben

Wien - Am Montag wurde eine zerstückelte Leiche einer 32-jährigen Niederösterreicherin in einem entsorgten Kühlschrank in einem Lagerraum in einem Mehrparteienhaus in Wien-Favoriten gefunden. Seit Dienstagabend ist ein Verdächtiger in Haft. Der gelernte Fleischhauer hat ein Geständnis abgelegt - und zugegeben, monatelang neben dem Eiskasten mit der Leiche darin gewohnt zu haben.

Arbeiter fanden die Leichenteile Montagvormittag, als sie aus einem Lagerraum in der Quellenstraße Gerümpel entfernen wollten. Die Gliedmaßen waren abgetrennt, der Kopf zunächst unauffindbar.

Verdächtiger galt als untergetaucht

Ermittler der Kriminaldirektion 1 (Gruppe Schaffer) und des Kriminalkommissariats Süd starteten eine umfangreiche Suche nach dem einzigen Verdächtigen, der seit Februar als "untergetaucht" gilt. Am Dienstagabend verhafteten die Fahnder in Mariahilf den 30-jährigen Wiener, als er in eines seiner Stammlokale wollte. Acht Beamte rangen den als sehr gefährlich eingestuften, 1,90 Meter großen Mann im Esterhazypark nieder. "Bei seiner ersten Einvernahme legte er ein Geständnis ab", sagte Oberstleutnant Gerhard Haimeder von der KD1 am Mittwoch. In der Zwischenzeit hatte sich bei der Polizei auch ein "Trittbrettfahrer" gemeldet, der ein falsches "Geständnis" ablegte.

Kennengelernt am Karlsplatz

Der ehemalig Süchtige hat Ulrike H. im Juni 2005 in der "Karlsplatz-Szene" kennen gelernt. Er wollte sie "vom Gift weg bringen" und das als seine "Lebensaufgabe" gesehen, behauptete der Mann im Verhör. In der Nacht auf den 15. Oktober vergangenen Jahres starb die Frau. Der Verdächtige soll seine Freundin erwürgt haben. Der Mann gab an, dass, das Opfer ein Messer in der Hand gehabt habe.

Leiche abgepackt

Die Leiche umwickelte der Täter mit Plastik. Dann zersägte er die in Folie eingepackte Tote und legte die Teile in den Kühlschrank. "Wie es aussieht, hat der Verdächtige seit Oktober 2005 bis Mitte Jänner 2006 mit der Leiche im Eiskasten unmittelbar neben seiner Schlafstelle gelebt", sagte Haimeder. Das Kühlgerät umwickelte er ebenfalls mit Plastikfolie gegen den Geruch. Erst nach Monaten schaffte er den Kühlschrank, damit Besucher nichts bemerkten, mit einer Transportrodel in den Lagerraum.

Die Säge wurde bisher nicht gefunden. Der eingepackte Kopf tauchte in einem Müllcontainer im Stiegenhaus auf. Vermutlich haben ihn die Arbeiter unwissentlich hineingeworfen, ehe sie die restlichen Leichenteile entdeckten.

Bezüge vom Sozialamt

Kriminalisten, die den Mann verhört haben, bescheinigen ihm "soziopathische Züge". Er kassierte u.a. die Unterstützung für die Wohnung der Toten und sprach am Sozialamt vor, dass er die Unterkunft der "verschwundenen" Frau übernehmen wolle. Die Fahndung nach ihm hat er über den Teletext und in Tageszeitungen verfolgt. (APA)

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