Episkopalkirche: Bischofsweihe für Homosexuelle weiterhin umstritten

21. Juni 2006, 13:46
2 Postings

Entsprechendes Moratorium gegen ausdrücklichen Wunsch der anglikanischen Weltgemeinschaft abgelehnt - auch Frauenweihe unter Beschuss

Washington - Die anglikanische Kirche der USA (Episcopal Church) hat mehrheitlich ein Moratorium zur Bischofsweihe für Homosexuelle abgelehnt. Bei ihrer Vollversammlung in Columbus wiesen KlerikerInnen und Laien am Dienstag (Ortszeit) eine entsprechende Resolution zurück, die auch die Ausarbeitung von - umstrittenen - Segnungsriten für gleichgeschlechtliche Paare aussetzen sollte, wie Kathpress meldet. Sie wiesen damit ausdrückliche Wünsche der anglikanischen Weltgemeinschaft zurück. BeobachterInnen sehen nun die Gefahr einer Kirchenspaltung noch weiter verschärft.

"Keine Sünde"

Am Mittwoch (Ortszeit) wollten die anglikanischen BischöfInnen über die Resolution beraten. Sie könnten jedoch lediglich eine erneute Abstimmung im Abgeordnetenhaus aus KlerikerInnen und Laien erzwingen. Zu Wochenbeginn hatten die US-AnglikanerInnen mit der Wahl von Katharine Jefferts Schori zur Leitenden Bischöfin ihrer Kirche einen weiteren Schritt vollzogen, der vom konservativen Flügel des Weltanglikanismus als Provokation aufgefasst wird. Bischöfin Schori erklärte in einer ihren ersten Stellungnahmen nach der Wahl, dass sie Homosexualität nicht als Sünde ansieht.

Spaltung

Der einflussreiche englische Bischof Michael Nazir-Ali hat unterdessen bereits von zwei unversöhnlichen Positionen und von "zwei virtuellen Religionen innerhalb einer Kirche" gesprochen. Bisher habe man über grundlegendende Differenzen hinweggesehen; bei den nun entstandenen grundsätzlich widersprüchlichen theologischen Fragen stehe nun aber eine Entscheidung an, sagte er der britischen Tageszeitung "Daily Telegraph". "Niemand will ein Spaltung, aber wenn es virtuell zwei Religionen in einer einzigen Kirche gibt, da muss irgendwann etwas passieren", so Nazir-Ali.

Abwendung vom Christentum

Im Konflikt geht letztendlich um die Frage, inwieweit die in der Bibel und der kirchlichen Tradition vermittelten theologischen und moralischen Prinzipien uminterpretiert werden dürfen. Während die Leitung der Episkopalkirche in moralischen Fragen - etwa in Bezug auf Homosexualität, Abtreibung u. Ä. - "mit der Zeit gehen" will, argumentieren einflussreiche Teile der anglikanischen Gemeinschaft, vor allem in der Dritten Welt, dass sich damit die US-AnglikanerInnen vom Christentum als solches abgewandt haben.

Bischof lebt Homosexualität

Die Wahl des in Lebensgemeinschaft mit einem Mann lebenden Homosexuellen Gene Robinson zum Bischof der US-Diözese New Hampshire hatte die anglikanische Weltgemeinschaft an den Rand einer Kirchenspaltung gebracht. Führende AnglikanerInnen weltweit hatten zu einem Verzicht auf weitere Weihen aufgerufen. In Columbus verteidigte Robinson seine Forderung, Homosexuelle von keinem Kirchenamt auszuschließen. Seine Wahl war im Jahr 2003 auch von Schori unterstützt worden.

Bruch mit USA gefordert

In der anglikanischen Weltgemeinschaft ist die Weihe von Frauen zu Bischöfinnen ebenso umstritten wie die Bischofsweihe für Homosexuelle, mit der die US-AnglikanerInnen 2003 eine tiefe Krise der anglikanischen Weltgemeinschaft auslösten. Konservative, insbesondere die Bischöfe in Afrika, fordern den Bruch mit den USA. Hochrangige Gremien haben die US-Anglikaner wiederholt dringend davor gewarnt, erneut Homosexuelle zu Bischöfen zu wählen, bevor nicht auf gesamtkirchlicher Ebene eine Entscheidung in dieser Frage getroffen sei.

Die anglikanische Weltgemeinschaft ist mit rund 80 Millionen Mitgliedern die drittstärkste christliche Gemeinschaft weltweit. Sie ist in 164 Ländern vertreten, sehr stark unter anderem in Afrika. (APA)

Link

Episkopalkirche wählte Frau an ihre Spitze
Katharine Jefferts Schori löst Frank Griswold ab
  • Bild nicht mehr verfügbar
    Einem einflussreichen Teil der anglikanischen Weltgemeinschaft sind Entwicklungen wie die Frauenbischofsweihe oder die Weihe von Homosexuellen ein Dorn im Auge, worüber KlerikerInnen und Laien der US-Episkopalkirche am Dienstag tagten.
Share if you care.