Favoritner Wohnhausanlage nach Margarethe Hilferding benannt

26. Juni 2006, 14:57
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Projekt von SP-Bayr zur Ehrung von ehemaliger Favoritner Bezirksrätin und Ärztin, die in der Nazi-Zeit ermordet wurde

Wien - Bei strahlendem Sonnenschein und zu den Klängen des Jüdischen Chors Wien unter der Leitung von Roman Grinberg wurde am Dienstag die Favoritner Wohnhausanlage in der Leebgasse 100 nach der ehemaligen Favoritner Bezirksrätin und Ärztin Margarethe Hilferding benannt. Gekommen waren neben der Bezirksvorsteherin Hermine Mospointner, die die Begrüßung vornahm, und der Initiatorin des Projektes und Vorsitzenden der Favoritner SPÖ-Frauen Petra Bayr auch die frühere Wiener Gesundheitsstadträtin Elisabeth Pittermann, Jenny Strasser, ehemaliges Mitglied des Frauenzentralkomitees der SPÖ, die Historikerin Dr. Eveline List, die aus dem Leben der engagierten Sozialdemokratin berichtete, sowie der Sohn Margarethe Hilferdings, Peter Milford Hilferding.

Verlangen nach Taten und Symbolen

"Frauengeschichte ist die Geschichte der Mehrheit der Menschen", zitierte Petra Bayr die Historikerin Gerda Lerner zu Beginn ihrer Rede und verwies darauf, dass unser Geschichtsbild in erster Linie die Leistungen der Männer würdige. Als "kleine Antithese zu diesem Geschichtsverständnis und als Beitrag dazu, Frauen sichtbar zu machen" solle die Benennung des Margarethe-Hilferding-Hofes verstanden werden, so Bayr, denn um Frauen - vor allem öffentlichen - Raum zu geben, brauche es Ermutigung und Unterstützung, "es verlangt nach Taten und Symbolen".

Langes Schweigen

Es sei ihr ein wichtiges Anliegen, so die Wiener Nationalrätin, "jene Frauen sichtbar zu machen, die nach 1945 nicht mehr nach Österreich zurückgekehrt sind". Der Verlust sei emotionell und intellektuell bis heute spürbar, "das lange Schweigen über die Ermordung vieler Frauen in Konzentrationslagern ist beschämend", so Bayr, die abschließend feststellte: "In den letzten 60 Jahren ist für Frauen viel erreicht worden. Ich denke, es wäre noch wesentlich mehr gewesen, wenn es nicht den Geschichtsbruch durch die Austrofaschisten und die Gräueltaten des nationalsozialistischen Regimes gegeben hätte."

Pionierin

Die am 20. Juni 1871 geborene Margarethe Hilferding entstammte einer großbürgerlich-jüdischen Familie, studierte Medizin und erwarb im Jahr 1903 als erste weibliche Studentin der Medizin das Doktorat an der Wiener Universität. Sie praktizierte als Frauenärztin, Geburtshelferin und Schulärztin in Favoriten, wo sie bis zum Februar 1934 auch als Bezirksrätin wirkte. Margarethe Hilferding, die 1938 die Gelegenheit zur Flucht nach Frankreich nicht wahrgenommen hatte, wurde 1942 im Vernichtungslager Treblinka ermordet. (red)

  • Innenansicht des Hilferding-Hofes.
    foto: spoe
    Innenansicht des Hilferding-Hofes.
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