Zapf hofft auf Neubeginn

7. Juli 2006, 11:57
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Nach einem Rekordverlust im vergangenen Jahr befürwortet der angeschlagene Puppenhersteller die Übernahme durch die japanische Bandai

München - Die Übernahme durch den japanischen Spielwarenhersteller Namco Bandai soll dem angeschlagenen Puppenhersteller Zapf Creation die finanzielle Zukunft sichern.

Zapf habe zwar auch an eine Kapitalerhöhung gedacht, sagte der neue Vorstandschef Georg Kellinghusen am Mittwoch auf der Bilanzpressekonferenz in München. "Die finanzielle Sicherheit mit Bandai ist aber stärker." Durch Sonderprüfungen und den schlechten Geschäftsverlauf habe Zapf gut 40 Millionen Euro verbraucht. "Das über eine Kapitalerhöhung wieder reinzuholen, wäre schwierig geworden", sagte Kellinghusen.

Erwerb von 75 Prozent

Für eine komplette Übernahme müsste Bandai 84 Millionen Euro ausgeben. Die Japaner wollen mindestens 75 Prozent erwerben.

Kellinghusen bekräftigte, der Zapf-Vorstand unterstütze das Angebot des Herstellers der populären "Power-Rangers"-Spielfiguren und des elektronischen Haustiers "Tamagotchi". "Zapf Creation bekäme durch Bandai einen wesentlich besseren Zugang zu den wichtigen nordamerikanischen und asiatischen Märkten", sagte er. Dort sei das Unternehmen aus Rödental bei Coburg unterrepräsentiert. Zudem ergänzten sich die Produktpaletten beider Spielwarenhersteller gut. Bandai spreche eher Jungen an, die mit menschlichen Funktionen ausgestatteten Zapf-Puppen Mädchen.

Manipulationen

Kellinghusen war im Februar vom Modekonzern Escada zunächst als Finanzvorstand zu Zapf gewechselt und wurde vor kurzem zum Vorstandschef befördert. Thomas Eichhorn, der das Unternehmen seit dem Börsengang 1999 geleitet hatte, musste im Mai seinen Hut nehmen.

Zapf war wegen Absatzschwierigkeiten in Deutschland und den USA tief in die roten Zahlen gerutscht. Zusätzlich belastete eine Sonderprüfung der Bilanzen der vergangenen Jahre. "Es ging um Manipulationen, die darauf ausgerichtet waren, Ergebnisse besser aussehen zu lassen als sie waren", sagte Kellinghusen. Er wollte keine Verantwortlichen für die Fälschungen nennen. Zapf habe Anzeige gegen frühere Mitarbeiter - auch Mitglieder von Vorstand oder Aufsichtsrat - erstattet, sagte er nur. Ob auch Schadensersatzforderungen gestellt würden, sei noch offen.

Nach der abgeschlossenen Bilanzkorrektur sieht Kellinghusen den 1932 gegründeten Puppenhersteller auf dem Weg, dieses Jahr operativ mindestens ein fast ausgeglichenes Ergebnis erreichen zu können. Der Umsatz werde allerdings prozentual einstellig weiter zurückgehen. (APA/Reuters)

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    foto: zapf
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