Ephesos: Berühmte römische Villa erstmals zugänglich

28. Juni 2006, 13:06
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Edelstahl- und Glas-Stege bieten guten Überblick über antike Luxus-Villen, schonen aber wertvolle Mosaiken und Fresken

Wien - Das berühmte "Hanghaus 2" in der archäologischen Grabung von Ephesos (Türkei) ist nun erstmals für Touristen offiziell zugänglich. Der türkische Kulturminister Atilla Koc und der Leiter der kulturpolitischen Sektion des Außenministeriums, Emil Brix, haben Mittwoch Nachmittag die neuen Besucherstege in den antiken Luxusvillen eröffnet. "Damit gibt es einen geordneten und die Ruine nicht beschädigenden Zugang in das Hanghaus", betonte der Direktor des Österreichischen Archäologischen Instituts (ÖAI) und Grabungsleiter in Ephesos, Friedrich Krinzinger, gegenüber der APA.

Die ersten Räume der aus der römischen Kaiserzeit stammenden Gebäude wurden von Wissenschaftern des ÖAI in den fünfziger Jahren beginnend mit dem "Hanghaus 1" freigelegt, das "Hanghaus 2" wurde 1962 bis 1964 erstmals großräumig angegraben. Im "Hanghaus 2" wurden sieben zweistöckige Wohneinheiten mit jeweils 170 bis 900 Quadratmeter entdeckt, die mit Fresken, Mosaiken, Marmor- und Buntsteinvertäfelungen reich ausgestattet sind.

High-Tech-Schutz vor Wind und Regen

Seit dem Jahr 2000 schützt ein 4.000 Quadratmeter großes, von Österreich geplantes und finanziertes Dach aus einer textilen High-Tech-Membran die antiken Mauern und Böden des rund 2.000 Jahre alten Hanghauses vor Regen, Wind und Sonne.

Bisher war das Hanghaus für Touristen gesperrt und nur mit einer Spezialerlaubnis zu besichtigen. Die neuen, von der Türkei finanzierten Stege aus Edelstahl und Glas geben den Besuchern laut Krinzinger einen guten Überblick über das Hanghaus, führen die Besucher aber nicht direkt in die Räumlichkeiten, um die kostbaren Oberflächen, vor allem Mosaike und Fresken, zu schonen. Für den Zutritt zum Hanghaus ist extra Eintritt zu entrichten, der Zugang nur gruppenweise möglich.

"Lesbarkeit" der Ruine erhöht

Die von den österreichischen Archäologen durchgeführten Renovierungen und baulichen Sicherungen im Hanghaus sind laut Krinzinger im wesentlichen abgeschlossen. Die Wissenschafter haben sich auch bemüht die "Lesbarkeit der Ruine zu erhöhen". So wurden etwa die Säulen, die die Innenhöfe der einzelnen "Appartements" umgeben haben, wieder aufgerichtet und durch Querbalken verbunden, so dass ein besserer Eindruck der alten Gebäude entsteht. Positiver Nebeneffekt: Damit wurde auch die Erdbebensicherheit der Ruine erhöht.

Bereits in den vergangenen Jahren haben die Archäologen zahlreiche in früheren Jahren abgenommene Mosaike und Fresken wieder an ihren ursprünglichen Ort zurückgebracht und restauriert. "Wir bemühen uns, den Glanz der Ruine wieder herzustellen", so Krinzinger. Dieser erschließt sich nun dem Besucher durch die neuen Stege. (APA)

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    Das berühmte "Hanghaus 2" der archäologischen Grabung von Ephesos (Türkei) ist mit neuen Besucherstegen ausgestattet.

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    Ein Dach aus einer textilen High-Tech-Membran schützt die antiken Mauern und Böden des rund 2.000 Jahre alten Gebäudes vor Witterungsschäden.

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