"Gleiche Chancen wie ein Mann"

27. Juni 2006, 18:26
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Chemikerin Renate Uitz im Interview über die Vor- und Nachteile von Frauen in der Uni-Forschung

Frauen hätten es in der Uni-Forschung nicht schwerer als männliche Kollegen - im Gegenteil würden sie sogar des Öfteren bevorzugt, meint die junge Chemikerin Renate Uitz im Gespräch mit Isabella Hager.

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UNISTANDARD: Die aktuelle EU-Shefigures-Studie ergab in Österreich einen Frauenanteil von 21 Prozent in der Forschung, der EU-25-Schnitt beträgt 29 %, in Lettland sind es 54. Wie beurteilen Sie das?

Uitz: Ich denke, es gibt jetzt schon eher eine Ungleichberechtigung gegenüber den Männern, weil Quotenregelungen erfüllt werden müssen und dadurch Frauen in Positionen kommen, wo es besser qualifizierte Männer gäbe. Ich denke aber, dass es weniger Frauen gibt, die eine Professur anstreben. Je höher eine Position ist, desto mehr muss man dafür aufgeben, desto weniger Privatleben hat man - Frauen sind da weniger bereit, diese Opfer zu bringen. Ich glaube auch nicht, dass es für die Karriere ausschlaggebend wäre, wenn eine Frau ein Kind bekommt und drei Monate weg ist, aber wenig Frauen sind bereit, das durchzuziehen. In den meisten Fällen kann man von einem freiwilligen Zurücktreten sprechen.

UNISTANDARD: Es gibt in der Naturwissenschaft verschiedenste Initiativen, um Frauen gezielt zu fördern...

Uitz: Es ist schon wichtig, das Selbstbewusstsein von Frauen in diesen Bereichen zu stärken, wobei man da schon früher anfangen muss. Ich halte es aber nicht als gerechtfertigt, dass man sie nach der Dissertation weiter in die Forschung pusht. Entweder man will es, oder man will es nicht. Wenn Frauen nicht von selber den Wunsch haben, gibt es ihn eben nicht.

UNISTANDARD: Also liegt die geringe Frauenquote nicht an gewissen Hürden?

Uitz: Nein. Man hat es als erfolgreiche Frau eben schwerer, weil man andere Strategien wählen muss, um dort hinzukommen, wo die Männer sind. Bei Männern ist es gesellschaftlich akzeptiert, wenn sie ihre Machtspielchen machen, bei Frauen ist das anders, da wird das negativer aufgenommen. Das wird aber nicht nur von Männern, sondern vor allem von anderen Frauen so nicht akzeptiert.

UNISTANDARD: Die Schwierigkeiten von Frauen in höheren Positionen liegen nur im Wie?

Uitz: Ja, wenn man es wirklich will, in der Uni-Forschung, hat man die ganz gleichen Chancen wie ein Mann.

Zur Person

Die Chemikerin Renate Uitz (28) erhielt 2005 den "She Study"-Award für ihre Dissertation zu einer neuen Herstellungsmethode des Bio-Diesel, seit fünf Jahren arbeitet sie am Institut für Chemie in Graz.

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    foto: standard/privat
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