Deutsche Bank kauft Berliner Bank um 680 Millionen

7. Juli 2006, 11:41
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Die größte deutsche Bank übernehme das Geschäft mit Privat- und Geschäftskunden, die Mitarbeiter und das Filialnetz

Frankfurt/Berlin - Die Deutsche Bank kauft für 680,5 Mio. Euro die Berliner Bank und stärkt damit ihr Privatkunden-Geschäft. Die größte deutsche Bank übernehme das Geschäft mit Privat- und Geschäftskunden, die Mitarbeiter und das Filialnetz, teilte die überwiegend dem Land Berlin gehörende Bankgesellschaft als Verkäuferin am Dienstagabend mit. Die Berliner Bank, die als Marke fortgeführt werden soll, hat mehr als 300.000 Kunden und 900 Mitarbeiter. Alle Arbeitsplätze sollen erhalten bleiben.

Der Kaufpreis liegt damit nach einem monatelangen Übernahmepoker deutlich über den bisher in Medien kolportierten 450 Mio. Euro. In dem Bieterwettstreit hatten zeitweise 22 Banken ihr Interesse angemeldet. Für große private Geschäftsbanken ist die Berliner Bank interessant, weil sie damit ihre relativ schwache Position in Berlin gegenüber Sparkassen und Volksbanken stärken können.

Der Kauf steht unter dem Vorbehalt der Zustimmung der Aufsichts- und Kartellbehörden. Einzelheiten wollen Deutsche Bank und Bankgesellschaft an diesem Mittwoch in Berlin der Öffentlichkeit präsentieren.

Der Verkauf der Berliner Bank ist die Folge einer Rettungsaktion, mit der das Land Berlin die Bankgesellschaft in den Jahren 2001/02 vor der Zahlungsunfähigkeit bewahrte. Der Senat übernahm damals eine Milliarden-Bürgschaft, um das Defizit auszugleichen, das durch riskante Immobiliengeschäfte entstanden war. Die EU genehmigte dieses Vorgehen nur unter der Maßgabe, dass die Berliner Bank 2006 und die Mutter selbst bis Ende 2007 veräußert wird. Derzeit müssen sich rund ein Dutzend frühere Manager unter anderem wegen Untreue vor Gericht verantworten.

Auftagt zu größerer Transaktion

Der Eigentümerwechsel der Tochter ist damit nur der Auftakt zu einer viel größeren Transaktion mit einem Volumen von bis zu vier Mrd. Euro. So viel könnte die 81-prozentige Beteiligung des Landes an der Bankgesellschaft nach Experteneinschätzung wert sein. Zur Bankgesellschaft gehört auch die Berliner Sparkasse.

Die Berliner Bank war 1950 auf Initiative des damals regierenden Bürgermeisters von Berlin, Ernst Reuter, gegründet worden. Ihr Hauptziel war nach dem Zweiten Weltkrieg der Wiederaufbau der Berliner Wirtschaft. Zuletzt war sie eine Niederlassung der Landesbank Berlin, die zur Bankgesellschaft Berlin gehört.

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann hatte erst bei der Hauptversammlung Anfang Juni betont, die Deutsche Bank strebe zur Stärkung ihres Privatkunden-Geschäfts gezielte Zukäufe an. "Wir wollen neue Geschäfte abschließen und neue Kunden gewinnen", sagte Ackermann, nachdem die Deutsche Bank 2005 ein Rekordjahr erreicht hatte. (APA/dpa)

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