Umweltdaten, schlüsselfertig

27. Juni 2006, 18:26
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Hubert Hahn von Smart Systems im STANDARD-Interview über EU-grenzübergreifendes Umweltmonitoring

STANDARD: Herr Hahn, viele reden von Umweltmonitoring. Ihre Arbeitsgruppe für Umweltinformationssysteme von den ARC Seibersdorf Research auch. Was machen Sie neu oder anders?

Hahn: Dass wir fächerübergreifend Komplettsysteme anbieten, das heißt für die Überwachung von Luft, Wasser und von verschiedenen Strahlungen, ob radioaktiv oder vom Handyverkehr ausgehend.

STANDARD: Was heißt denn Komplettsysteme?

Hahn: Wir erarbeiten die Software, entwickeln die Hardware und lassen sie in Österreich bauen. Wir liefern die Herzstücke für die Überwachung und eventuelle Alarmierung bei Umweltproblemen.

STANDARD: Die europaweite Anwendung scheiterte bisher an der mangelnden Einheitlichkeit der Methoden und der Grenzwerte. Das ist wohl eher ein politisches als ein technisches Problem.

Hahn: Ja. Dass es keine einheitlichen Standards gibt, wird von allen beklagt - dabei kümmern sich Hochwasser oder Luftgüte bekanntlich nicht um staatliche Grenzen. So weit mir die Interna der EU bekannt sind, werden bei zukünftigen Ausschreibungen die Standards auch vorgeschrieben. Ob sie allerdings politisch in den Staaten durchzusetzen sind, das ist auf einer anderen Ebene zu behandeln.

STANDARD: In der Abteilung Smart Systems wurde unter anderem der Field Nose Sensor entwickelt. Wird er in der Debatte um die tatsächliche Gefährlichkeit von Elektrosmog ein entscheidendes Wort mitreden können?

Hahn: Der Field Nose Sensor ist ein frequenzselektives Messgerät, das feststellen kann, auf welchen Frequenzen welche Intensität verbreitet wird. Gemeinsam mit einer Messnetzzentrale ist ein großes Einsatzgebiet vorstellbar, über das es dann auch genaue Information gäbe. Das ist wiederum eine politische und finanzielle Entscheidung.

STANDARD: Bei Sany ist man wohl einen Schritt weiter.

Hahn: Sany, also Sensor anywhere, bedeutet die EU-weite Integration von Umweltsensoren und -netzwerken, damit Daten europaweit abrufbar werden. Seibersdorf ist Koordinator für 15 Partner, und wir bemühen uns derzeit um Realisierung innerhalb des sechsten EU-Rahmenprogramms. (mf/DER STANDARD Printausgabe, 21. Juni 2006)

Zur Person

Hubert Hahn, geboren 1951 in Zwettl in Niederösterreich, leitet seit fünf Jahren die Produktlinie Umwelt­informations­systeme bei Smart Systems, ARC Seibersdorf Research.

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    foto: standard
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