Jobs: "Wir haben das Musikgeschäft revolutioniert, jetzt kommt Film"

31. Juli 2006, 14:36
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Apple und Microsoft verhandeln mit den Hollywood-Studios über Onlineangebote von Filmen. iTunes soll bald auch "richtiges Kino" bieten

Steve Jobs war noch nie von Minderwertigkeitskomplexen geplagt. "Wir haben das Musikgeschäft revolutioniert, und jetzt wollen wir dasselbe mit Kinofilmen machen."Mit diesen Worten zitiert das Entertainmentmagazin Variety den Manager eines Hollywood-Studios, der in die Verhandlungen über Onlinefilme involviert sein soll.

Das "nächste groe Ding"

Es ist ein offenes Geheimnis, dass Apple am "nächsten großen Ding" arbeitet, und das ist für den iPod-Hersteller und iTunes-Music-Store-Betreiber offenbar Film - trotz zahlreicher gegenteiliger früherer Aussagen von Jobs. Noch vor wenig mehr als einem Jahr machte er sich über Microsoft lustig, dessen Media Player von Anfang an Musik und Video vorsah - bis Apple vor rund sechs Monaten einfach TV-Serien über seinen marktbeherrschenden iTunes Music Store anbot, iPods zu Videoplayern umfunktionierte.

"Desperate Housewives" und "24"

Seither hat Apple das umfangreichste Angebot an TV-Serien in seinem Onlineladen; in den ersten sechs Verkaufsmonaten gingen 30 Millionen Serientitel von "Desperate Housewives" bis zur fünften Staffel von "24" mit Agent Bauer um 1,99 Dollar über die Leitungen (Europäern ist der Kauf nur über einen Umweg möglich - sie brauchen eine US-Prepaidkarte).

Film steht auf dem Plan

Jetzt also steht Film auf dem Spielplan von Jobs, der seit dem Pixar-Verkauf Disneys größter Einzelaktionär mit Sitz im Aufsichtsrat ist. Wie schon bei andauernden Häkeleien mit der Musikindustrie ist der Knackpunkt offenbar in erster Linie Jobs radikaler Preiszugang: Jeder Film um 9,99 Dollar - entsprechend dem Muster 99 Cents pro Song, 1,99 Dollar pro Serientitel. Ein Schema, das den Studiobossen offenbar wenig behagt: Sie wollen ein differenziertes Preisschema, mit teureren und billigeren Angeboten.

Anders als bei seinen Deals mit der Plattenindustrie, die dem iTunes Music Store einen Vorsprung bei Onlinemusik gaben, hat die Filmindustrie ebenso wie Apples Konkurrenz dazugelernt.

Auch Microsoft verhandelt

Nach einem Bericht des Wall Street Journals verhandelt auch Microsoft derzeit mit Hollywood über Rechte für Filmdownload. Das wiederum nährt auch die Gerüchte über einen künftigen Video-iPod-Konkurrenten direkt aus dem Hause Microsoft: Denn bisher kommt aus Redmond nur die Software für Hardware-Hersteller, und die haben den Erfolgsmix von Apple noch lange nicht geknackt. Die Xbox-Abteilung von Robbie Bach soll darum an einem Gerät arbeiten, das Microsoft selbst herstellen und verkaufen will - offizielle Stellungnahmen gibt es dazu naturgemäß keine.

Und noch andere Anbieter wollen zum Zug kommen, von Amazon und Movielink bis BitTorrent. Bis Herbst wolle er einen Deal, hat Jobs den Studiobossen forsch verkündet - das Weihnachtsgeschäft wartet. Gut möglich, dass Disney wie schon bei TV-Serien und mit sanftem Nachdruck seines Großaktionärs als Eisbrecher fungiert und als erstes Filme über iTunes anbietet. (spu/DER STANDARD, Printausgabe vom 21.6.2006)

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