Gratis-Internet zum Sommerg'spritzten

27. November 2006, 14:06
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Start-up propagiert Service-Gedanken - kostenpflichtige Hotspots seien für die rasche Benutzung zwischendurch "zu kompliziert"

Die Bundeshauptstadt zählte schon früh zur Weltspitze mit der Dichte seiner "Hotspots", öffentlichen Internet-Zugängen über Wi-Fi (Wireless Lan). Allein, seit der damalige Betreiber Metronet von T-Mobile gekauft wurde, wurde es still darum (die Hotspots sind weiterhin in Betrieb). Erst vor Kurzem zog One einen Schlussstrich unter seinen Wi-Fi-Ausflug und drehte 600 Hotspots ab - sie rechneten sich nicht.

"Zu kompliziert"

Die bezahlten Hotspots seien für die rasche Benutzung zwischendurch "zu kompliziert", sagt Wolfgang Krivanek, Geschäftsführer des Wiener Startup Freewave. "Man sucht nach einer Kreditkarte oder nach den Zugangsdaten, dabei will man nur schnell seine Mail lesen. Freewave propagiert darum ein anderes Modell: Internet ist für die Gastronomie ein Service wie Zeitungen oder Zeitschriften für den Gast - ein Zusatzangebot, das Kunden ins Lokal bringt oder zu Stammkunden macht.

Kundenbeziehungen

Eine Erfahrung, die auch der Wirt des Spittelberg-Edelbeisls Lux macht: "Das gehört einfach dazu und kostet mich nicht mehr als der Standard, das Profil und der Spiegel", sagt Lind. Der Effekt: "Es kommen Leute, die vorher nicht kamen, weil sie im Büro an ihrem Computer sitzen mussten, jetzt sitzen sie bei mir. Und es erhält Kundenbeziehungen."

Marketinginstrument

Was Lind vor rund einem Jahr im Do-it-yourself-Verfahren installierte, bietet Freewave als Paket an: Installation, laufender Betrieb und Kontrolle der Funktion, und Bewerbung des Serviceangebots durch kleine Tischständer und auf einem Webverzeichnis. "Wir sehen das als Marketinginstrument für die Gastronomie und Hotels und unterstützen sie dabei", sagt Krivanek. Freewave kann Wirten auch die Sorge nehmen, dass sie Huckepackfahrer aus der Nachbarschaft bedienen: "Wir können aufgrund des Nutzungsverhaltens Trittbrettfahrer aus dem Netz sperren."

99 Euro im Monat

Installationskosten würden "im dreistelligen Bereich" liegen, der monatliche Betrieb kostet 99 Euro. Die Sorge, dass Gäste nur den Platz bei minimaler Konsumation versitzen zerstreut Krivanek: "Wir haben erhoben, dass die durchschnittliche Verweildauer nicht länger ist."Linds intuitive Beurteilung: "Das ist so ein Blödsinn wie die Geschichte mit dem Wasserglas."(Spu, DER STANDARD, Printausgabe vom 21.6.2006)

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    foto: standard/robert newald
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