Zarter Ruf nach Citymaut in Wien

21. Juni 2006, 19:18
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Die Wiener Grünen ziehen Lehren aus dem gescheiterten Volksgaragenprojekt Bacherpark

Wien – Vehement gefordert haben die Wiener Grünen die Citymaut in der Stadt noch nie, doch immer wieder wurde das Anliegen bei der einen oder anderen Gelegenheit als Anhängsel mitpräsentiert.

Die Ablehnung der Volksgarage im Bacherpark durch die Anrainer ist so ein Anlass. Mit dem „Nein“ zur Garage von fast 66 Prozent bei einer Wahlbeteiligung von 30 Prozent im Grätzel sieht Grünen-Umweltsprecher Rüdiger Maresch das insegesamt sechste Garagenprojekt der Stadt gescheitert und fordert SP-Verkehrsstadtrat Rudolf Schicker auf, „schleunigst brauchbare Maßnahmen gegen den zunehmenden Autoverkehr“ zu setzen.

Kurzparkzonen auch in Außenbezirken

Vor allem durch die Pendler aus dem Umland und Niederösterreich, die „WUTUs“, (WU für Wien Umgebung und TU für Tulln), wie Maresch sie nennt, würde die Schadstoffbelastung und der Platzbedarf jährlich steigen. Sein Ansatz „gegen den Verkehrsinfarkt“ ist nun, die Parkraumbewirtschaftung, sprich Kurzparkzonen, auf die Gürtelaußenbezirke auszudehnen und die Gebührenhöhe nach Bezirken zu staffeln (in der Innenstadt am höchsten). Zur Zeit ist Parken in den Bezirken eins bis neun wochentags von neun bis 19 Uhr gebührenpflichtig.

Wiener Adaption

Die Ausdehnung soll Hand in Hand mit einer Machbarkeitstudie für die Citymaut einhergehen, die man daraufhin auch umsetzen könnte. „Klar“ sei, dass sich das Citymaut-Modell Londons oder Stockholms nicht „1:1“ auf Wien umsetzen ließe, ein passendes müssten Experten erarbeiten.

Auch das Verkehrsstadtratsbüro findet, dass sich die Modelle nicht umsetzen ließen, wobei für die Wiener SPÖ die Citymaut nicht in Frage kommt. „Nicht nachvollziehen“ könne man den Vorwurf der Grünen sich gegen die Ausdehnung der gebührenfplichtigen Zonen zu wehren, denn das Pilotprojekt rund um die Stadthalle sei gerade erst im Laufen.

Ausnahme Stadthalle

Um die Wiener Stadthalle werden täglich von 18 bis 23 Uhr noch bis Ende Juni 2007 Parkgebühren eingehoben. Der Grund ist die Verkehrsbelastung für die Anrainer in dem Gebiet. Nach der Pilotphase wolle man das Projekt evaluieren. Die Initiative, eine Kurzparkzone an belasteten Stellen, wie beispielsweise U-Bahn-Endhaltestellen, zu fordern müsse dann von den Bezirken kommen, sagt Klaus Heimbuchner aus dem Büro Schicker.

Eine Zwischenbilanz im_Stadthallenpojekt könne aber schon gezogen werden: das Stellplatzproblem habe nachgelassen und auch die Anrainer hätten einen Vorteil. Die Citymaut bewirkte laut Stockholmer Bürgermeisterin eine Reduktion der Luftschadtoffe um 12, und der Verkehrbelastung um 22 Prozent. (Marijana Miljkovic, DER STANDARD Printausgabe, 21.06.2006)

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