Die langsame Entdeckung Wiens

22. Juni 2006, 15:56
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US-Presse greift Bush-Besuch zaghaft auf

Bis kurz vor dem Abflug von George W. Bush nach "Old Europe"hatten die amerikanischen Medien den EU-USA-Gipfel in Wien kaum wahrgenommen. Erst als Bush in einer Rede vor der Merchant Academy in New York die transatlantischen Beziehungen über den grünen Klee lobte, wurde er zunächst von den Agenturen zitiert: "Amerika und Europa sind vereint gegenüber einer der schwierigsten Herausforderungen in der Welt von heute: das Verhalten des Regimes im Iran." Er hoffe darauf, dass dieses Problem gemeinsam und diplomatisch zu lösen sei.

Der Atomstreit mit dem Iran werde den Schwerpunkt des Wiener Treffens bilden, sind sich die amerikanischen Medien, die inzwischen recht eifrig über das Treffen berichten, einig. Daneben werde Bush mit den Europäern aber auch über den Irak und Guantánamo sprechen.

Laut einer Meldung der Knight Ridder Newspaperssoll der nationale Sicherheitsberater Stephen Hadley allerdings erklärt haben, dass Bush in Wien nichts Neues zu dem europäischen Forderungen nach der Schließung des Gefangenenlagers Guantánamo Bay auf Kuba sagen werde. Bush gab gegenüber den US-Medien auch Teile seiner Wunschliste für seinen Besuch bekannt: Europa solle die landwirtschaftlichen Subventionen eliminieren, damit Gespräche für einen globalen Freihandelsvertrag beginnen könnten. Bush werde die EU auch dazu aufrufen, den Wiederaufbau im Irak stärker zu unterstützen, berichtet die Tageszeitung Mercury News.

Obwohl Übereinkunft - insbesondere in diplomatischen Kreisen - darüber herrsche, dass sich die Beziehungen zwischen Europa und den USA seit dem Vorfeld des Irakkrieges im Jahr 2003 dramatisch verbessert hätten, wird die negative Einstellung der Europäer gegenüber Bushs Irakpolitik und seinem persönlichen Stil in den Berichten immer wieder in Erinnerung gebracht.

Zu einigen Erwähnungen in den US-Medien hat es auch der grüne Sicherheitssprecher Peter Pilz mit seiner Protestaktion gegen das Gefangenenlager Guantánamo am Montag in Wien gebracht. Schüssel solle dem Bush sagen, dass die Verbrechen seiner Regierung in Europa nicht toleriert werden, wird Pilz in der Seattle Times zitiert.

Auch die kurze Dauer der Bush-Visite - nach 63 Stunden in Europa wird Bush wieder im Weißen Haus erwartet - erregt die Aufmerksamkeit der Medien: Bush vor "wirbelwindartigem Besuch in Europa", titelt etwa die Internetausgabe der USA-Today. (DER STANDARD, Printausgabe, 21.6.2006)

Susi Schneider aus New York
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