Nullsummenspiel durch die Fußball-WM

7. Juli 2006, 11:12
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Ausgelassene Stimmung der Weltmeisterschaft zeitigt kaum Effekte auf das Wachstum in Deutschland

Berlin - Von der zumeist ausgelassenen Stimmung während der ersten Woche der Fußball-Weltmeisterschaft mit Fan-Partys im ganzen Land ist in der deutschen Wirtschaft nur wenig angekommen. Zwar profitieren einzelne Branchen wie Gastgewerbe, Sportartikel- und Unterhaltungselektronik-Hersteller, Einzelhandel und Sicherheitsdienstleister von der Fußball-Begeisterung im In-und Ausland. Gemessen am gesamten Bruttoinlandsprodukt (BIP) werde sich das sportliche Großereignis aber auf das Jahr gesehen kaum bemerkbar machen, sagt Dirk Ulbricht vom Münchner ifo-Institut für Wirtschaftsforschung. "Die Effekte sind eher mäßig."

Mancherorts auch negative Effekte

In touristischer Hinsicht könnten sich nun zwar sonst weniger gefragte Städte wie Gelsenkirchen über fußballbegeisterte Kurzurlauber freuen. "Für manche Ziele wie Berlin und München kann es aber sogar negative Effekte geben, wenn Touristen diese Städte meiden, um dem Rummel zu entgehen, oder wenn Konferenzen verschoben werden."

Auch Touristikexperten gehen seit Monaten von einem Nullsummenspiel zur Weltmeisterschaft aus. "Ein solches Großereignis birgt immer die Gefahr, dass das Stammgeschäft verdrängt wird", sagt die Sprecherin des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes, Stefanie Heckel. "Es ist uns aber auf jeden Fall gelungen, ein positives Image von Deutschland in die Welt hinauszutragen", davon ist Heckel überzeugt.

Der Einzelhandel sieht unterdessen seine eher vorsichtigen Erwartungen an die Weltmeisterschaft bestätigt. Seit WM-Beginn hat die Branche einen regelrechten Ansturm auf alles rund um den Fußball erlebt. In vielen Geschäften seien Fan-Artikel wie Trikots, Schals und Kappen bereits ausverkauft.

Manager misstrauen

Den Top-Managern der deutschen Wirtschaft fehlt dagegen offenbar das Vertrauen in die deutsche Nationalmannschaft. Nach einer Umfrage des Marktforschungsinstituts Psephos im Auftrag des Handelsblatts tippten die einheimischen Führungskräfte auf Brasilien als Weltmeister. Mehr als die Hälfte der Befragten glauben an den sechsten Titelgewinn der Südamerikaner, während nur jeder fünfte dem Team von Bundestrainer Jürgen Klinsmann den Gewinn der WM zutraut. (dpa, sid, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21.6.2006)

  • Der Kaiser wird's scho richten.
    foto: epa/grimm

    Der Kaiser wird's scho richten.

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