Altersarmut eine Frage der Definition

9. Juni 2000, 12:33

Vor allem Frauen sind betroffen

Berlin - Über die Zahl der RentnerInnen in Deutschland, die von verdeckter Altersarmut betroffen sind, gibt es bisher nur Vermutungen. Hauptursache für die hohen Abweichungen sind unterschiedliche Definitionen, was unter Altersarmut zu verstehen ist. Das Bundesarbeitsministerium will im Sommer kommenden Jahres erstmals eine Studie zu diesem Thema vorlegen.

In einem sind sich die ExpertInnen aber trotz unterschiedlicher Zahlen einig: In den kommenden Jahren wird die Altersarmut weiter zunehmen. Nach Ansicht von VdK-Präsident Walter Hirrlinger werden dann Frauen wie Männer betroffen sein. Den Grund für die Entwicklung sieht Hirrlinger in der hohen Zahl der Arbeitslosen.

Geschiedene Frauen schlecht dran

Nach Angaben des Sozialverbandes sind von Altersarmut rund drei Millionen Menschen betroffen, die eine Witwen- oder Witwerrente erhalten. Im Durchschnitt liege diese monatliche Rente bei 1.035 Mark (529 Euro/7.282 S). Schlecht dran seien zudem geschiedene Frauen und Bezieher von Erwerbsunfähigkeitsrente im Alter ab 56 Jahren. Die durschnittliche Altersrente von Frauen liegt nach Angaben des Verbandes bei 833 Mark (426 Euro/5.861 S) im Monat.

Laut Statistik bezogen am Jahresende 1998 rund 174.500 Menschen über 65 Jahre Hilfe zum Lebensunterhalt außerhalb von Einrichtungen, davon etwa 50.000 bereits länger als fünf Jahre. Von allen SozialhilfeempfängerInnen dieser Altersgruppe waren rund 70 Prozent Frauen. Von verdeckter Altersarmut sind nach Ansicht beider Sozialverbände Frauen in den alten Bundesländern am stärksten betroffen. Im Gegensatz zu den Männer in Ost und West sowie den Frauen in den neuen Ländern waren sie meist nur wenige Jahre berufstätig.

Scham und Unkenntnis

Nach den Erfahrungen des Sozialverbandes stellen die Betroffenen jedoch oft aus Scham keinen Antrag auf finanzielle Hilfe.

Die Betroffenen möchten damit häufig auch verhindern, dass das Sozialamt zumindest einen Teil der Unterstützung von ihren Kindern zurückholt. Für den Frankfurter Armutsforscher Richard Hauser liegen die Gründe aber auch in der Unkenntnis, im Stolz oder der Scheu der Menschen vor dem Sozialamt. Diese Verhaltensweise sei Studien zufolge bei alten Menschen besonders ausgeprägt. Ohnehin weist der Sozialverband daraufhin, dass von Altersarmut Betroffenen meist schon aus Geldmangel ein sehr isoliertes Leben führen. (APA)

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