Nummer 1, Nummer 5878

23. Juni 2006, 13:26
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Hundstorfer als Spitzenkandidat - Finale von "Zeichen setzen"

Wien - Zum Abschluss darf es noch etwas Spaß sein: Die Kabarettisten Josef Hader, Lukas Resetarits, Alexander Bisanz und die Schauspieler Erich Steinhauer, Harald Krassnitzer und Mercedes Echerer unterstützen die Internet-Initiative "Zeichen setzen". Mit dieser Aktion wollte eine Gruppe aus dem ÖGB Druck auf Reformen in der Gewerkschaft ausüben. 5878 ÖGB-Mitglieder haben ein Zeichen gesetzt und die Initiative unterzeichnet.

Die Kabarettisten-Aktion ist die letzte von "Zeichen setzen". Folgen soll noch ein Brief an die ÖGB-Vorsitzenden. Zur internen Reformgruppe der Gewerkschaft wurde kein Vertreter der Initiative eingeladen. Darüber wie über die nicht berauschende Zahl von Unterschriften sind die Zeichen-Setzer ein wenig enttäuscht. Allerdings, so ein Mitglied der Initiative, habe vor allem die Forderung, dass kein ÖGB-Spitzenvertreter im Parlament sitzen solle, viele von der Unterschrift abgehalten.

Denn dieser Meinung, dass ÖGB-Präsidenten und Parteipolitik getrennt sein sollen, ist offenbar auch die SPÖ nicht. Wiens Bürgermeister Michael Häupl hat ÖGB-Präsident Rudolf Hundstorfer Platz 1 auf der Liste der Wiener SPÖ für die Nationalratswahl angeboten. Fix ist die Spitzenkandidatur für Häupl damit allerdings noch nicht: "Ob Hundstorfer dieses Angebot annehmen wird, muss man diskutieren."Heftig kritisiert wurde diese Kandidatur von Hundstorfer dennoch bereits: Grüne, BZÖ und FPÖ warfen der SPÖ und dem ÖGB vor, aus dem Bawag-Skandal "nichts gelernt"zu haben. Sind doch diese drei Parteien gegen ein Nationalratsmandat für den Präsidenten der Gewerkschaft.

Die Spitzenkandidatur wird auch ÖGB-intern diskutiert, denn am Wochenende trifft sich die ÖGB-Reformgruppe, die künftige Organisation und Finanzierung der Gewerkschaft festlegen soll. Zur Debatte steht etwa ein Umzug aus der ÖGB-Zentrale in der Wiener Innenstadt in das günstigere Wien-Erdberg, berichtet der Falter. Dieses Objekt in der Schlachthausgasse ist aber nur eine der möglichen Adressen. Die Auswahl des Hauses hängt auch davon ab, wie viele Teilgewerkschaften mit in die Zentrale übersiedeln werden. Die Gewerkschaft der Gemeindebediensteten etwa, deren Vorsitzender Hundstorfer einst war, weigert sich vorerst, aus Alsergrund nach Erdberg zu übersiedeln. Die Metaller hingegen sind prinzipiell umzugsbereit. (DER STANDARD, Printausgabe, 21.6.2006)

von Eva Linsinger
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