Besetzungsprobleme hinter dem Altar

4. Juli 2006, 15:58
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Bischöfe sorgen sich um Nachwuchs, ein junger Priester zeigt Wege auf, ihn zu gewinnen

Die katholische Kirche plagen ernste Nachwuchssorgen. Immer weniger junge Männer sehen sich zum Priesteramt berufen. Waren es 2005 noch 32, so werden heuer nur 25 Kandidaten am 29. Juni 2006 die Weihe zum Priester entgegennehmen.

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Linz - Priester sei schon recht früh sein Traumberuf gewesen, erinnert sich Andreas Golatz heute. "Schon in der Volksschule habe ich diesen Entschluss gefasst. Ich war Ministrant und ich fand es einfach toll, nicht nur auf der Bank zu sitzen und zuzuhören, sondern aktiv mitzugestalten", erinnert sich Golatz im Gespräch mit dem STANDARD.

Der gebürtige Linzer Golatz ist einer von ingesamt 25 Neupriestern, die im heurigen Jahr in Österreich geweiht werden (siehe Interview).

Von seinem Ziel einmal hinter den Altar zu treten, hat sich der 31-Jährige nie abbringen lassen. Auch wenn er von so manchem belächelt wurde. "Meine Eltern haben das alles zuerst auf die leichte Schulter genommen. Andere Kinder sind mit dem Wunsch Feuerwehrmann zu werden nach Hause gekommen und ich hab mich halt hingestellt und hab gesagt: Papa, Mama ich werd'Pfarrer", erzählt Golatz.

Die Eltern hätten - so der Neopriester - lange Zeit geglaubt, dass sei halt "so ein typischer Astronauten-Wunsch", der sich wieder verflüchtigen würde. Doch ganz im Gegenteil: Der Wunsch in Golatz, einen geistlichen Beruf zu ergreifen, verfestigt sich mit zunehmendem Alter - "meine Eltern haben mich dann stets unterstützt".

An die Fragen von Freunden habe er sich rasch gewöhnt: "Die sind bis heute dieselben geblieben. Die einen sagen 'wow, dass du das machst', die anderen sagen 'toll, aber das mit dem Zölibat ...'"

Für Andreas Golatz kommt nur der zölibatäre Weg infrage. "Auch wenn's manchmal nicht leicht ist, aber rein zeitlich lassen sich für mich ein Priesteramt und eine Familie nicht unter einen Hut bringen."

Die Kirche von heute würde deutlich mehr solch engagierten Nachwuchs brauchen. 2006 wird als Jahr mit einem Rekordtief an Priesterweihen in die heimische Kirchengeschichte eingehen. Heuer sind es gerade einmal 25 Kandidaten, die zum Fest der Heiligen Peter und Paul am 29. Juni im Rahmen einer heiligen Messe zu Priestern geweiht werden.

Der Weg dorthin ist für die Anwärter durchaus beschwerlich. Dem Weihesakrament, das seit dem 11. Jahrhundert auch mit dem Gelöbnis der Ehelosigkeit verbunden ist, geht ein siebenjähriger bis achtjähriger Weg der Ausbildung und Prüfung voraus. Gegangen wird dieser von immer weniger Männern.

Fünf Priester für Wien

Den größten Zuwachs kann heuer die Erzdiözese Wien mit fünf Diözesan- und drei Ordenspriestern verbuchen. An zweiter Stelle rangiert Graz-Seckau, wo Bischof Egon Kapellari fünf Kandidaten die Hand auflegen wird. In Salzburg werden vier, in Linz und Gurk-Klagenfurt jeweils zwei Priester geweiht. Die Diözesen Eisenstadt, Innsbruck, und St. Pölten müssen sich mit je einem Priester begnügen.

Vor diesem unerfreulichen Hintergrund haben die österreichischen Bischöfe zu Wochenbeginn ihre Frühjahrsvollversammlung unter dem Vorsitz von Kardinal Christoph Schönborn in Mariazell angetreten. Erstmals tagen dort heimische Würdenträger gemeinsam mit Bischöfen aus Ungarn. Neben den Themen "Allianz für einen freien Sonntag", "Wallfahrtsseelsorge"und "die Seelsorge für Roma und Sinti"dürfte unter österreichischen Bischöfen vor allem das Nachwuchsproblem brisantes Diskussionsthema sein. (Markus Rohrhofer/DER STANDARD, Printausgabe, 21.6.2006)

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    Gemeinsame Messe der österreich-ungarischen Bischofskonferenz in Mariazell: Priestermangel an der Basis drückt die Stimmung

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