Der Opernnarr als Abendsieger

20. Juni 2006, 17:53
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Verdis "Rigoletto" an der Staatsoper

Wien – Wiener Fans von Rolando Villazón schauten im Juni gleich zweimal durch die Finger: zunächst beim verschobenen "Konzert für Europa" und nun bei der ersten Vorstellung einer Serie mit Verdis Rigoletto an der Staatsoper, wo er als Herzog von Mantua debütieren sollte. Wird wiedergutgemacht – wie die Staatsoper verlautbarte, will der mexikanische Tenor die Folgevorstellungen (ab Donnerstag 22.6.) bestreiten.

Während ein Shootingstar mit Getöse aufgebaut wird, warten andere auf ihre Chance: Stefano Secco sprang in die Bresche, und er tat dies so überzeugend, dass man ihm die Wandlung vom skrupellosen Lebemann zum treu ergebenen Liebhaber und zurück glauben konnte.

Mit einer an sich eher schmalen Stimme, die aber, wo nötig, über genügend Leuchtkraft und Schmelz verfügt und durch bruchlose Registerübergänge besticht, steigerte sich sein Herzog im zweiten Akt zu einem Getriebenen, der seine Gefühle nach außen kehrt. Beim Ohrwurm La donna è mobile glänzte er mit innigem Piano, das ahnen ließ, warum diesem Charmeur alle Frauen auf den Leim gehen.

Debüts gab es auch in fast allen wichtigen Partien: Elena Mosuc ließ als Gilda anfangs bei Spitzentönen Vorsicht walten, spätestens ab der Arie Gualtier Maldé wurde sie sicherer und versenkte sich herzzerreißend in die sich aus Liebe Opfernde. Sonor und souverän Ain Anger (Sparafucile), mit verführerischem Timbre Nadia Krasteva (Maddalena), sicher Clemens Unterreiner, soweit man ihn beim Zornesausbruch des Ceprano hören konnte.

Das Dirigat von Vjekoslav Sutej ebenso wie der hier brachiale, dort unpräzise Chor deckten nämlich manches zu. Sutej ließ zwar durch Glanz und Drive aufhorchen, bot aber auch dort zu straff durchgepeitschte Tempi.

Wie auch immer. Routinier Leo Nucci in der Titelpartie – der von Mensch und Schicksal genarrte Hofnarr ist wohl eine seiner Lebensrollen – konnte man die wachsende Verzweiflung diesmal schauspielerisch noch mehr als stimmlich abnehmen. Da wollte niemand warten: Nucci agierte derart packend, dass schon nach seiner Arie im zweiten Akt (Cortigiani ...) minutenlanger Jubel ausbrach. (DER STANDARD, Printausgabe, 21.6.2006)

Von Daniel Ender
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