Das Wettlesen der Jubiläen: Ingeborg-Bachmann-Preis

22. Juni 2006, 00:28
2 Postings

Die Organisatoren sprechen von einer "literarischen Champions League": Am Mittwochabend beginnt das 30. Ringen um den Ingeborg-Bachmann-Preis

Die Preise werden am sich heuer zum 80. Male jährenden Geburtstag der Dichterin verliehen.


Klagenfurt – Auch die Literatur befindet sich im Wettbewerbsfieber. Der Kärntner ORF-Landesdirektor Willy Mitsche hat die heute Abend mit einer Rede von Raoul Schrott startenden Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt schon im Vorfeld zur "literarischen Champions League" erklärt.

Ob das Lesen um den Bachmann-Preis heuer hochkarätiger ausfallen wird als im Vorjahr, als vor "Mensch ärgere dich nicht"-Bühnenbild die Zuhörer – von wenigen Ausnahmen wie dem letztlichen Gewinner Thomas Lang oder dem Deutsch-Isländer Kristof Magnusson abgesehen – dezent gelangweilt wurden, muss sich erst weisen.

Jetzt schon fix ist, dass Klagenfurt 2006 das Wettlesen der Jubiläen wird.

Bereits zum 30. Mal wird nämlich mittlerweile der Ingeborg-Bachmann-Preis vergeben. Die Verleihung findet am Sonntag, dem 25. Juni statt, an dem sich der Geburtstag der 1973 aus dem Leben geschiedenen Autorin zum 80. Mal jährt. Das – diesmal ägyptisch angehauchte – Bühnenbild stammt zum 20. Mal vom Kärntner Künstler Heinz Peter Maya. Und der Klagenfurter Literaturkreis feiert sein zehnjähriges Bestehen.

Wie gewohnt matchen sich von Donnerstag bis Samstag 18 Autorinnen und Autoren aus Deutschland, Österreich und der Schweiz um die Gunst der Jury und die ungebrochen prestigeträchtige Auszeichnung, die erstmals mit 25.000 Euro dotiert ist (2500 mehr als im Vorjahr), sowie den Telekom-Austria-Preis, den Ernst- Willner-Preis, den 3sat-Preis und den Kelag-Publikumspreis.

3sat überträgt auch heuer wieder die Lesungen und Diskussionen live bzw. in Zusammenfassungen. Die Bachmann-Preis-Seite im Internet bietet neben einem Livestream auch später alle Beiträge "on demand". Die Literaturzeitschrift Volltext stellt im Rahmen einer Kooperation in ihrer jüngsten Ausgabe wie schon im Vorjahr Texte der Wettbewerbsteilnehmer vor.

Das Feld besteht diesmal aus elf Männern und sieben Frauen, stolze 15 davon stammen aus Deutschland. Österreich ist durch zwei Autoren vertreten, Bodo Hell und Hanno Millesi. Vor allem die Teilnahme von Hell hat im Vorfeld die Literaturgemeinde überrascht. Als arrivierte Stimme eines experimentellen Schreibens könnte er freilich auch als ältester Autor im Wettbewerb noch für frischen Wind sorgen.

Ebenfalls als anspruchsvoll gilt Hanno Millesi, der bislang noch nicht am Radar einer breiteren Leserschaft aufgetaucht ist. Er liest auf Einladung von Daniela Strigl, zweiter hiesiger Juror ist Klaus Nüchtern.

Einzige Änderung in der Jury: Für Norbert Miller, der aus gesundheitlichen Gründen fehlt, springt der Deutsche Karl Corino ein.

Gespannt sein darf man auf den Auftritt des jungen Berliners Thomas Melle, der heuer eine fulminante deutsche Übersetzung des Romans Huren für Gloria von US-Autor William T. Vollmann vorgelegt hat. Zu den anderen Autoren ist momentan noch zu sagen: Nichts Genaues weiß man nicht. Aber man ließe sich gern positiv überraschen. (DER STANDARD, Printausgabe, 21.6.2006)

von Sebastian Fasthuber


Bachmannpreis
Share if you care.