Die Organisatoren sprechen von einer "literarischen Champions League":
Am Mittwochabend beginnt das 30. Ringen um den Ingeborg-Bachmann-Preis
Die Preise werden am sich heuer zum 80. Male jährenden Geburtstag der
Dichterin verliehen.
Klagenfurt – Auch die Literatur befindet sich im Wettbewerbsfieber. Der Kärntner
ORF-Landesdirektor Willy
Mitsche hat die heute Abend
mit einer Rede von Raoul
Schrott startenden Tage der
deutschsprachigen Literatur in
Klagenfurt schon im Vorfeld
zur "literarischen Champions
League" erklärt.
Ob das Lesen um den Bachmann-Preis heuer hochkarätiger ausfallen wird als im Vorjahr, als vor "Mensch ärgere
dich nicht"-Bühnenbild die
Zuhörer – von wenigen Ausnahmen wie dem letztlichen
Gewinner Thomas Lang oder
dem Deutsch-Isländer Kristof
Magnusson abgesehen – dezent gelangweilt wurden,
muss sich erst weisen.
Jetzt schon fix ist, dass Klagenfurt 2006 das Wettlesen
der Jubiläen wird.
Bereits zum 30. Mal wird
nämlich mittlerweile der Ingeborg-Bachmann-Preis vergeben. Die Verleihung findet am
Sonntag, dem 25. Juni statt, an
dem sich der Geburtstag der
1973 aus dem Leben geschiedenen Autorin zum 80. Mal
jährt. Das – diesmal ägyptisch
angehauchte – Bühnenbild
stammt zum 20. Mal vom
Kärntner Künstler Heinz Peter
Maya. Und der Klagenfurter
Literaturkreis feiert sein zehnjähriges Bestehen.
Wie gewohnt matchen sich
von Donnerstag bis Samstag
18 Autorinnen und Autoren
aus Deutschland, Österreich
und der Schweiz um die Gunst
der Jury und die ungebrochen
prestigeträchtige Auszeichnung, die erstmals mit 25.000
Euro dotiert ist (2500 mehr als
im Vorjahr), sowie den Telekom-Austria-Preis, den Ernst-
Willner-Preis, den 3sat-Preis
und den Kelag-Publikumspreis.
3sat überträgt auch heuer
wieder die Lesungen und Diskussionen live bzw. in Zusammenfassungen. Die Bachmann-Preis-Seite im Internet
bietet neben einem Livestream auch später alle Beiträge "on demand". Die Literaturzeitschrift Volltext stellt im
Rahmen einer Kooperation in
ihrer jüngsten Ausgabe wie
schon im Vorjahr Texte der
Wettbewerbsteilnehmer vor.
Das Feld besteht diesmal
aus elf Männern und sieben
Frauen, stolze 15 davon stammen aus Deutschland. Österreich ist durch zwei Autoren
vertreten, Bodo Hell und Hanno Millesi. Vor allem die Teilnahme von Hell hat im Vorfeld
die Literaturgemeinde überrascht. Als arrivierte Stimme
eines experimentellen Schreibens könnte er freilich auch
als ältester Autor im Wettbewerb noch für frischen Wind
sorgen.
Ebenfalls als anspruchsvoll
gilt Hanno Millesi, der bislang
noch nicht am Radar einer
breiteren Leserschaft aufgetaucht ist. Er liest auf Einladung von Daniela Strigl, zweiter hiesiger Juror ist Klaus
Nüchtern.
Einzige Änderung in der Jury: Für Norbert Miller, der aus
gesundheitlichen Gründen
fehlt, springt der Deutsche
Karl Corino ein.
Gespannt sein darf man auf
den Auftritt des jungen Berliners Thomas Melle, der heuer
eine fulminante deutsche
Übersetzung des Romans Huren für Gloria von US-Autor
William T. Vollmann vorgelegt hat. Zu den anderen Autoren ist momentan noch zu sagen: Nichts Genaues weiß
man nicht. Aber man ließe
sich gern positiv überraschen. (DER STANDARD, Printausgabe, 21.6.2006)