EADS-Krise löste Eklat im Parlament aus

21. Juni 2006, 16:44
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Sozialisten verließen unter Protest den Sitzungssaal

Paris - Der Streit zwischen Frankreichs Regierung und Opposition über die Krise beim europäischen Luft- und Raumfahrtkonzern EADS hat zu einem Eklat im Abgeordnetenhaus geführt. Die oppositionellen Sozialisten stürmten am Dienstag unter Protest aus dem Sitzungssaal im Pariser Palais Bourbon, als Ministerpräsident Dominique de Villepin Sozialisten-Chef Francois Hollande wegen des Airbus-Streits scharf angriff.

Villepin bezichtigte Hollande der Feigheit, nachdem der Oppositionsführer den Ministerpräsidenten am Vortag wegen der Lieferverzögerung beim Großraumflieger A380 angegriffen hatte. Villepin konnte sich in der Parlamentskammer kaum Gehör verschaffen, weil sich sozialistische Abgeordnete ihm mit lauten "Rücktritt"-Rufen näherten. Die Sitzung wurde vor der wöchentlichen Fragerunde abgebrochen. Frankreich ist Anteilseigner bei EADS.

Die EADS-Tochter Airbus hatte vergangene Woche eingeräumt, dass sich die Auslieferungen des prestigeträchtigen Riesenflugzeugs A380 um bis zu sieben Monate verzögern. Das löste einen Kurzssturz der EADS-Aktie aus. EADS-Großaktionäre sind neben dem französischen Staat der Stuttgarter Autokonzern DaimlerChrysler und die französische Lagardere-Gruppe.

"Sache des französischen Staats"

Sozialistenchef Hollande hatte Villepin und Präsident Jacques Chirac in einem Fernsehinterview aufgefordert, sich in die Krise einzuschalten. "Es ist nicht an der Lagardere-Gruppe oder an den Deutschen, zu entscheiden", sagte Hollande dem Fernsehsender i-tele. "Es ist Sache des französischen Staats, er verfügt über 15 Prozent des EADS-Kapitals."

Hollande stellte zudem die Position des umstrittenen Co-Chefs der Airbus-Mutter EADS, Noel Forgeard, in Frage. "Die Frage, die ich dem Ministerpräsidenten und dem Präsidenten stelle, ist, ob Monsieur Forgeard heute an der Spitze der EADS-Gruppe bleiben kann?" Forgeard war wegen der Verzögerung und fragwürdiger Börsengeschäfte unter Kritik geraten. Er war gemeinsam mit dem Deutschen Tom Enders vor einem Jahr nach langem Machtkampf an die EADS-Spitze berufen worden. (APA/Reuters)

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