Aufsicht bekämpft böse Anlegerbuben

27. Juli 2006, 14:13
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Bis zu 1000 illegale Anlageberater in Österreich – FMA greift mit Eingreiftruppe durch

Wien – Die Finanzmarktaufsicht FMA hat eine spezielle Eingreifgruppe zur Bekämpfung der bösen Buben des "grauen Kapitalmarkts" gebildet. Die besteht – bislang – aus zwei Mitarbeitern unter dem Ex-Kripo-Mann Joachim Hacker, und "stürzt" sich laut FMA-Vorstand Heinrich Traumüller auf Anbieter von Finanzdienstleistungen, die ohne Konzession arbeiten.

Der rechtliche Boden, auf dem das Team arbeitet, wurde Ende März gelegt: Seither haben die Aufseher erweiterte Befugnisse, schwärmen aus, dürfen Auskünfte einfordern und Unterlagen kopieren – vor allem stehen ihnen schärfere Sanktionsmöglichkeiten zu. Die Verwaltungsstrafen, die die FMA verhängen kann, gehen bis zu 50.000 Euro, zudem darf sie unerlaubt agierende Betriebe zusperren.

Erstmalige Strafe im Schnitt 10.000 bis 15.000 Euro

In den allermeisten Fällen, in denen die schnelle Eingreiftruppe ausschwärmt, geht es um Geschäfte mit Finanzdienstleistungen, und da am öftesten um Wertpapieren, erzählte Truppenchef Hacker am Dienstag bei einem Pressegespräch. Da seien jede Menge "Herrschaften unterwegs, die unerlaubterweise und ohne Konzession beraten und vermitteln". Drei Vorortprüfungen habe man in den vergangenen drei Monaten absolviert, in jedem steht ein Verwaltungsverfahren bevor. Die Strafe, die den Grauen droht, wenn sie bis dahin noch unbescholten waren: im Schnitt 10.000 bis 15.000 Euro.

Grund zum Einschreiten gäbe es genug, meint die FMA. Derzeit arbeiten in Österreich im Wertpapierbereich 345 konzessionierte Unternehmen, "allein in Österreich kommen aber 500 bis 1000 illegale dazu, im EWR-Bereich sogar mehrere Tausende", schätzt Hacker. Die illegalen Anbieter arbeiten ohne Grenzen; in Österreich seien "auch viele Anbieter aus Deutschland, dem Ostblock , Slowenien und Ungar aktiv."

Schwarzgeld

Allerdings werde nur jeder zehnte Fall angezeigt – nicht selten dreht es sich bei den grauen Veranlagungen nämlich um Schwarzgeld. Zudem entwickeln die Geschädigten oft so etwas wie Schamgefühl: Nämlich dann, wenn sie realisieren, dass sie völlig blauäugig auf Angebote, bei denen zehn Prozent Rendite ohne Risiko versprochen wurden, reingefallen sind.

Die Zahl der Anzeigen (die FMA bekommt die Informationen von Anlegern, Polizei, Staatsanwälten und Gerichten) ist dessen ungeachtet enorm: Seit April waren es rund 100, die durchschnittliche Schadenssumme beträgt laut Hacker 100.000 Euro.

Die Frage, worauf Anleger achten müssen, beantworteten die Aufseher so: "Wenn ein Angebot zu gut klingt, um wahr zu sein, und es laut dem Berater beim Abschluss ganz schnell gehen muss, muss es beim Anleger klingeln." (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21.6.2006)

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