SkyEurope: "Zum Wachstum verdammt"

4. Juli 2006, 16:05
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Der defizitäre Billigflieger lud in den Festsaal eines Wiener Ringstraßenhotels, um sich das O.K. für eine Kapitalerhöhung zu holen. Die vorjährige ist bereits verbraucht

Wien – Die in Wien börsennotierte und in Bratislava stationierte Billigairline SkyEurope hat Probleme: Das enorme Wachstum der vergangenen Jahr verschlang Unsummen, das erste Halbjahr brachte einen Verlust von 34 Mio. Euro, die 16 neuen bereits georderte Flieger müssen noch bezahlt werden, und die Kapitalerhöhung vom September 2005, die netto 53 Mio. in die Kassa spülte, ist verbraucht.

Am Dienstag ließ sich SkyEurope-Gründer und -Chef Christian Mandl bei einer außerordentlichen Hauptversammlung (HV) von 23 anwesenden Aktionären eine weitere Kapitalerhöhung von bis zu 40 Mio. Aktien genehmigen. Gemessen am aktuellen Kurs von 3,88 Euro (beim Börsegang im September wurden die Aktien zu sechs Euro das Stück verkauft) brächte das dem Unternehmen weitere rund 70 bis 80 Mio. Euro. Ob er alle Aktien platziert, ließ Mandl offen.

Analyst skeptisch

Alfred Reisenberger, Analyst der CA IB, wird seine derzeitige Anlage- Empfehlung vermutlich demnächst von Kaufen auf Halten zurücknehmen. "Es hat sich einiges verändert, leider nicht zum Besseren", sagte er zum STANDARD. "Ich glaube noch an das Geschäftsmodell, wenngleich sich die Kostenseite anders als gedacht negativ entwickelte – und es gibt keine Entwarnung." Die Low-Cost-Carrier seien eben "zum Wachstum verdammt, auch um jeden Preis". Aber, so Reisenberger: "Es gibt für jedes Unternehmen einen Investor, man muss ihn nur finden." Davon ist auch Mandl überzeugt, der als Alternative zur Kapitalerhöhung mögliche US-Investoren ins Spiel brachte. Denn derzeit kämen alle Aktionäre aus Europa, gesetzlich notwendig für die Lizenz seien aber nur 51 Prozent, argumentierte Mandl. Und im Übrigen, was soll dieser Airline schon passieren? "SkyEurope wurde am 6. September 2001 gegründet, fünf Tage später gab es die Terroranschläge in den USA – und uns gibt es trotzdem noch, seit mittlerweile fast fünf Jahren", beruhigte Mandl.

Bei der 2,5-stündigen HV im Wiener Marriott, skizzierte der Airline-Chef das imposante Wachstum: Mit 16 Fliegern werden derzeit 70 Routen in 19 Ländern bedient. Neben Bratislava gibt es noch Stützpunkte in Budapest, Krakau und Prag. Eine Ryanair habe für ein vergleichbares Wachstum 20 Jahre gebraucht, so Mandl, der zudem darauf hinwies, dass sich Easyjet Ende September aus Bratislava zurückziehen wird. Als billige Konkurrenz zu ebenfalls auf Zentral- und Osteuropa fokussierten AUA sieht sich Mandl nicht: "Wir haben eine Multi-Hub-Strategie, und die meisten Investoren sehen SkyEurope als Konsumprodukt, dass an Osteuropa gekoppelt ist. Wir sind eher Konkurrenz zu Bus und Bahn denn zur AUA."

Teure Versicherung

Erstaunt waren einige Aktionäre über die (teure) neu beschlossene Geschäftsführer-Haftungs-Versicherung für fünf leitende Angestellte, drei Vorstände und fünf Aufsichtsräte, mit einer Jahresprämie von 200.000 bis 300.000 Euro. Die sei dreimal höher als üblich, lautete die Kritik. (Claudia Ruff, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21.6.2006)

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    SkyEurope bedient derzeit mit 16 Fliegern 70 Routen in 19 Ländern.

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