"Was gegen die Tradition ist, kann nicht sein"

9. Juni 2000, 12:19

Kurienkardinal Hoyos kritisiert kirchliche Reformbewegungen in Richtung Frauenpriestertum

Wien - Heftige Kritik an den Reformbewegungen in der katholischen Kirche - darunter auch an dem in Österreich entstandenen Kirchenvolks-Begehren - übt der Kurienkardinal und Präfekt der vatikanischen Kongregation für den Klerus, der Kolumbianer Dario Castrillon Hoyos, in einem Interview mit der am Samstag erscheinenden Ausgabe des Nachrichtenmagazins "profil". "Es ist zwar normal, dass in verschiedenen Ländern, in denen Probleme auftauchen, auch Auswege gesucht werden. Aber in den vergangenen Jahren sind gewisse Gruppierungen - im deutschsprachigen Raum, aber auch in Lateinamerika - vom Weg der katholischen Kirche abgewichen." Verteidigende Worte findet der Kardinal für den Wiener Alterzbischof Kardinal Hans Hermann Groer.

Für den Kurienkardinal, der auch immer wieder als möglicher nächster Papst gehandelt wird, sind Reformen etwa in Richtung Frauenpriestertum oder Freistellung des Zölibats undenkbar. "Im Zeitalter der Gleichberechtigung wollen manche Frauen eben auch das noch erreichen. Aber nur weil es dieses Verlangen gibt, können wir dem nicht nachgeben. Es ist gegen die Tradition der Kirche und kann deshalb nicht sein", so der Kardinal. Die Geschichte der Kirche sei eine Geschichte der Berufung. Und niemand in der Hierarchie, kein Konzil, keine Synode und keine Bischofskonferenz, wolle an diesem Wert der Kirche rütteln. Alle wüssten um den großen Wert des Zölibats. (APA)

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