Frankreich stellt EADS-Aktionärspakt in Frage

2. Juli 2006, 17:33
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Wirtschaftsminister Breton will über Änderungen, auch im Management, reden - Mehr Staatseinfluss gefordert

Paris - Angesichts der EADS-Krise wegen der Produktionsprobleme beim Airbus A380 stellt Frankreich den Aktionärspakt beim europäischen Flugtechnikkonzern in Frage. "Manche meinen, dieser Pakt gebe dem Staat nicht genug Macht, denn die operative Führung wird von den Industrieaktionären Lagardère und DaimlerChrysler sichergestellt", sagte Wirtschaftsminister Thierry Breton am Dienstag in Paris.

Er habe mit dem EADS-Aktionär und Verwaltungsrats-Co-Chef Arnaud Lagardère bereits über mögliche Änderungen bei Aktionärspakt und EADS-Management gesprochen.

Premierminister Dominique de Villepin warf in der Pariser Nationalversammlung den Sozialisten vor, 2000 den Aktionärspakt mit Lagardère und DaimlerChrysler geschmiedet zu haben. "Das ist ihre Verantwortung und wir werden das von Grund auf auf den Prüfstand stellen", sagte er. Villepin antwortete damit auf eine Frage der Sozialisten, ob er weiter am EADS-Co-Chef Noel Forgeard festhalte, der wegen seiner Millionengewinne mit Aktienoptionen kurz vor dem Absturz der EADS-Aktie in der Kritik steht.

Schlagabtausch

Frankreich und Deutschland sollen nach dem Aktionärspakt im EADS-Kapital gleich stark vertreten sein. Die deutsche Seite wird vom privaten Konzern DaimlerChrysler mit 22,5 Prozent vertreten. Auf französischer Seite wird ein Anteil des privaten Medienkonzerns Lagardère von 7,5 Prozent mit einem 15-prozentigen Anteil des Staates gebündelt.

Die EADS-Krise führte in der Nationalversammlung zu einem emotionalen Schlagabtausch zwischen Regierung und Opposition. Villepin warf Sozialistenchef Francois Hollande "Feigheit" vor, weil er die Verantwortung des früheren sozialistischen Premierministers Lionel Jospin für den Aktionärspakt nicht annehmen wolle. Hollande erklärte daraufhin, Villepin habe die Nerven verloren. Präsident Jacques Chirac müsse daraus die Konsequenzen ziehen. (APA/dpa)

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