Prestige-Museum für außereuropäische Kulturen in Paris eröffnet

27. Juni 2006, 15:10
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Später Respekt: Musée du Quai Branly vereint rund 300.000 Werke aus Afrika, Asien, Ozeanien, Nord- und Südamerika

Paris - Paris hat ein neues Museum für außereuropäische Kulturen. Frankreichs Staatspräsident Jacques Chirac hat am Dienstag den mit mehr als 235 Millionen Euro teuersten Museumsbau seiner Amtszeit eröffnet. Das von Jean Nouvel entworfene, nahe dem Eiffelturm gelegene Musée du Quai Branly bietet 39.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche und vereint rund 300.000 Werke aus Afrika, Asien, Ozeanien, Nord- und Südamerika.

Zusammen mit UN-Generalsekretär Kofi Annan besichtigte Chirac am Dienstag in Paris den spektakulär gestalteten Bau. "Mit diesem Museum soll der unendlichen Vielfalt der Kulturen und Völker angesichts der Gefahren der Uniformierung durch die Globalisierung Gerechtigkeit widerfahren", betonte der Staatspräsident. Mit Blick auch auf die Kolonialgeschichte sagte Chirac, das Museum solle den Dialog der Kulturen fördern: "Völker, die von brutalen und gierigen Eroberern ausgerottet wurden, Völker, die auch heute noch durch die Modernität geschwächt und bedroht werden."

Unter den rund 300 Ehrengästen der Eröffnung waren auch Rigoberta Menchú, Nobelpreisträgerin aus Guatemala, der Premier des kanadischen Territoriums, der Inuit-Indianer Paul Okalik, sowie Ex- Premierminister Lionel Jospin, der 1998 grünes Licht für das Projekt gegeben hatte. Chirac gilt als großer Liebhaber afrikanischer, ozeanischer und indoamerikanischer Kunst. Der 73-jährige Politiker, dessen zwölfjährige Amtszeit im Frühjahr 2007 zu Ende geht, setzt sich mit diesem Kunsttempel ein kulturpolitisches Denkmal, ähnlich wie bereits seine Vorgänger Georges Pompidou mit dem Centre Pompidou und Francois Mitterrand mit der Pariser Nationalbibliothek.

Später Respekt

Die Grande Nation und ehemalige Kolonialmacht will mit dem auf 26 Pfeilern stehenden Museum nicht-europäischen Kulturen einen späten Respekt zollen. Deshalb wurde auch auf den Namen des Museums sehr viel Wert gelegt. Um jegliche Missverständnisse zu vermeiden, mied man bei der Namenswahl des Museums als abwertend geltende Begriffe wie - zunächst erwogen - "Musée des arts primitives" (Museum für primitive Kunst) oder "Musée des arts premiers" (Museum für frühe Kunst). Nun ist der moderne Prunkbau schlicht nach der Straße benannt, an der er liegt: Quai du Branly.

Der futuristische Gebäudekomplex fällt sofort ins Auge: Auf der Nordseite ragen bunte, unterschiedlich große Kästen aus der Fassade, die auf die Hütten der zahlreichen Stämme Afrikas und Ozeaniens hinweisen. Gleich daneben ragt eine Pflanzenmauer in die Höhe, die Teil des Verwaltungsgebäudes ist. Mehr als 15 000 Pflanzen klettern auf einer Polyamid-Filzunterlage an der Fassade entlang. Das Museum wird von einem riesigen "Garten-Wald" aus 178 Bäumen umgeben. Architekt Nouvel bezeichnete das Museum als "respektvolles, spirituelles Territorium" für die Kunstwerke, Chirac sprach von einer "unvergleichlichen ästhetischen Erfahrung".

Am Freitag (23.6.) wird das Museum seine Pforten für die Öffentlichkeit öffnen und die Liste der weltberühmten Pariser Kulturstätten vom Louvre bis zum Picasso-Museum eindrucksvoll ergänzen. Neben einer Permanent-Schau, die einen Überblick über die außereuropäische Kunstentwicklung geben soll, will Museumsdirektor Stéphane Martin mit jährlich rund einem Dutzend Wechselausstellungen spezifische Themen behandeln und die Gegenwartskunst einbeziehen. Eine Million Besucher pro Jahr werden erwartet. (APA/dpa)

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    Musée du Quai Branly zeigt auf 39.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche rund 300.000 Werke aus Afrika, Asien, Ozeanien, Nord- und Südamerika.

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    Frankreichs Staatspräsident Jacques Chirac und UN-Generalsekretär Kofi Annan begrüßen zur Ausstellungseröffnung Häuptling Laukalbi von den Vanuatu Inseln und dessen Neffen.

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