Söldnerführer Bob Denard verurteilt

25. Juni 2006, 11:46
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76-Jähriger plante Sturz der Regierung der Komoren: Fünf Jahre auf Bewährung

Paris - Der berüchtigte Söldnerführer Bob Denard ist am Dienstag wegen seiner Teilnahme an einem Putschversuch auf den Komoren im Jahr 1995 zu fünf Jahren Gefängnis mit Bewährung verurteilt worden. Die 14. Kammer des Pariser Strafgerichts befand den 76-jährigen Franzosen und 26 Mitkämpfer der Bandenbildung mit dem Ziel der Freiheitsberaubung für schuldig.

Denards Truppe hatte den Präsidenten der damaligen Islamischen Republik der Komoren, Said Mohamed Djohar, bei dem Putsch festgenommen und eine Woche gefangen gehalten. Sein Versuch, die Macht in der ehemaligen französischen Kolonie zu übernehmen, war dann durch von Paris entsandte Truppen beendet worden. Das Gericht sprach französischen Politikern nun aber eine Mitverantwortung für den Putsch zu.

Denard, der unter Alzheimer leidet, war bei der Urteilsverkündung nicht anwesend. Er und seine als "die Schrecklichen" bekannte Truppe zählten vier Jahrzehnte lang zu den berüchtigsten Söldnern in Afrika. Die Staatsanwaltschaft hatte fünf Jahre ohne Bewährung gefordert. Denards Mitangeklagte wurden entweder freigesprochen oder erhielten Bewährungsstrafen zwischen drei und vier Jahren.

"Lediglich ein kleiner Angestellter"

Denards Anwältin kritisierte das Urteil. Ihr Mandant sei lediglich "ein kleiner Angestellter" gewesen. Das Verfahren habe es nicht erlaubt, die Verantwortung der französischen Regierung und von Politikern zu klären, sagte sie. Das Gericht stellte allerdings fest, es sei "augenfällig, dass die französischen Geheimdienste von dem von Robert Denard entworfenen Putsch-Plan wussten". Frankreich habe aber nichts unternommen, um den Putsch zu verhindern. "Folglich haben die verantwortlichen Politiker ihn notwendigerweise auch gewollt."

Der Anwalt der Familie des inzwischen verstorbenen Komoren-Präsidenten Djohar sagte, er sei zufrieden, dass die Schuld der "Gauner" um Denard gerichtlich anerkannt wurde. Er sei aber "sehr enttäuscht", dass die Angeklagten nicht ins Gefängnis müssten. Damit drohe "die Ermutigung oder gar Belohnung des Söldnerdaseins". Das gesamte Volk in dem ostafrikanischen Inselstaat müsse sich deshalb "beleidigt fühlen".

Denard hatte schon im Herbst 1999 in Frankreich wegen eines anderen Putschversuchs auf den Komoren im Jahr 1989 vor Gericht gestanden, bei dem der damalige Präsident Ahmed Abdallah getötet wurde. Er wurde freigesprochen. Der Söldner, der sieben Mal verheiratet war und acht Kinder hat, lebt heute in der Nähe von Paris. Hollywood-Star Clint Eastwood hat sich bereits die Filmrechte an seiner Lebensgeschichte gesichert. (APA)

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    Bob Denard (Mitte) bei seiner Festnahme.

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