Wirtschaftskammern für mehr Kooperation zwischen EU und USA

27. Juli 2006, 14:15
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Präsident der US-Chamber of Commerce Donohue bei WKÖ-Chef Leitl: Gemeinsam gegen Produktpiraterie und für globale Energiepolitik

Wien - Der Präsident der US-Wirtschaftskammer (Chamber of Commerce), Thomas J. Donohue, und der Präsident der Wirtschaftskammer Österreich, Christoph Leitl, haben am Dienstag im Vorfeld des EU-USA-Gipfels in Wien bei einer gemeinsamen Pressekonferenz die Bedeutung der transatlantischen Wirtschaftsbeziehungen hervorgehoben.

Donohue und Leitl - letztgenannter auch in seiner Funktion als Vorsitzender der Global Chamber Plattform von Eurochambers - präsentierten auch ihre Forderungen an das Gipfeltreffen. Gefordert werden demnach Fortschritte bei den WTO-Verhandlungen spätestens bis Ende 2007, gemeinsame Anstrengungen bei einer globalen Energiepolitik in Hinblick auf erneuerbare Energien, mehr Augenmerk auf Schutz des geistigen Eigentums sowie die Reduktion von nicht-tarifären Handelshemmnissen. "Wir wollen unsere Märkte noch mehr öffnen und den KMU alle Barrieren aus dem Weg räumen", sagte Leitl.

Maßnahmen gegen Produktpiraterie

Beide Präsidenten betonten unisono, dass gegen die ausufernde Produktpiraterie noch mehr Anstrengungen unternommen werden müsse. Dem Kampf gegen Produktpiraterie und gegen die Verletzung von immateriellen Eigentumsrechten solle beim Transatlantischen Business Dialog (TABD) neue Anstöße gegeben werden, sagte Donohue. Die Chamber of Commerce konzentriere sich diesbezüglich insbesondere auf die Länder China, Indien, Brasilien, Russland und Korea. Da der Diebstahl von geistigem Eigentum immer mehr zunehme, seien auch die Industrien in den jeweiligen Ländern schon betroffen, nicht mehr nur die USA und die EU. Diese neue Koalition biete dem Kampf gegen Produktpiraterie eine neue Chance.

"In Europa kochen alle ein wenig ihr eigenes Süppchen"

Donohue nannte als eines der transatlantischen Beziehungsprobleme die starke Regionalisierung in der EU: "Wenn ich etwas aus einem europäischen Staat will, weiß ich, wen ich etwa hier in Österreich, Großbritannien oder Deutschland anrufen soll, ich habe aber keine Ahnung wer in der EU für etwas zuständig ist." Umgekehrt betreiben europäische Unternehmen Handel mit den USA, aber nicht etwa mit Maine oder Massachusetts. Grundsätzlich gebe es aber keine großen Unterschiede zwischen den USA und der EU. "Der signifikanteste ist eben, dass wir eine Zentralregierung haben, in der die wichtigen landesweiten Entscheidungen getroffen werden. In Europa liegt die Stärke aber in den Nationalstaaten, die alle ein wenig ihr eigenes Süppchen kochen", bemerkte der Präsident der US-Wirtschaftskammer.

KMU als treibende Kraft

Das Erfolgsrezept der US-Wirtschaft liegt laut Donohue in den 25 Millionen kleinen und mittleren Unternehmen (KMU), die mit Innovationskraft und Risikobereitschaft Arbeitsplätze schaffen und Gewinne erzielen. In Europa gelten als KMU Unternehmen mit bis zu 250 Beschäftigten. In den USA werden als "Small and Medium Businesses" auch größere Unternehmen bezeichnet, die aber selten börsenotiert oder international tätig sind.

Auch der breite Einsatz von Computertechnologie trage zur Stärke der amerikanischen Ökonomie bei, so Donohue. Die Investitionsbereitschaft sei durch das vorhandene Kapital - das auch aus Europa komme - hoch. Schließlich hob der Kammerpräsident noch die Konsumgesellschaft sowie das Bildungssystem der USA als Vorteile im wirtschaftlichen Wettbewerb hervor.

Zinserhöhung "kontraproduktiv"

Leitl bemerkte, dass in Europa endlich Zinsstabilität einkehren müsse, und warnte erneut vor weiteren Zinsschritten der Europäischen Zentralbank (EZB). Die Ankündigung weiterer Zinserhöhungen in Europa sei "kontraproduktiv", so der Leitl. Die Wirtschaft brauche Rahmenbedingungen, auf die sie sich verlassen könne. Die derzeitige Inflation in Europa sei großteils importiert. Die Inflation könne man nicht durch eine Einschränkung des Wachstums bekämpfen.

Wichtiger Absatzmarkt für Österreich

Die USA sind mit 25 Prozent der Weltwirtschaftsleistung die größte Volkswirtschaft der Welt und bieten damit gleichmäßige Absatzmöglichkeiten für die gesamte österreichische Angebotspalette, sagte Leitl. Mittelfristig werden die USA das globale Wachstumszentrum bleiben und bis 2020 prognostizierte Wachstumsraten von durchschnittlich drei Prozent pro Jahr ausweisen. "Wenn es Österreich gelingt, am dynamischen Wachstum in den USA mit zu partizipieren und gegenüber dem dominanten EU-Mitbewerb Marktanteile dazu zu gewinnen, könnten sich Österreichs Exporte in die USA bis Ende 2007 um bis zu 1,5 Mrd. Euro erhöhen", stellte Leitl in Aussicht.

Die USA seien seit Jahren der wichtigste Überseemarkt und drittwichtigste Handelspartner Österreichs, so Leitl weiter. Die Exporte erreichten 2005 5,3 Mrd. Euro, die Importe 3,2 Mrd. Euro, was für Österreich ein Handelsbilanzaktivum von über 2 Mrd. Euro bewirkte.

Heuer "boome" der Außenhandel mit den USA regelrecht. Im ersten Quartal machte das Ausfuhrplus gegenüber der Vorjahresperiode 34,9 Prozent aus - ein doppelt so hoher Anstieg wie weltweit -, die Importe legten um 41,3 Prozent zu.

420 Austro-Niederlassungen in den USA

Österreichs Exporte in die USA sind stark diversifiziert und umfassen sowohl Investitionsgüter als auch Konsumgüter. Österreichs Kapitalbestand in den USA lag Ende 2004 bei 2,5 Mrd. Euro. Derzeit sind bei der Wirtschaftskammer rund 420 Niederlassungen und 800 Repräsentanzen österreichischer Unternehmen erfasst. In diesen Firmen sind mehr als 9.700 Personen beschäftigt. Umgekehrt erreichte der Kapitalbestand der USA in Österreich Ende 2004 einen Wert von 5,8 Mrd. Euro.

Von den in Österreich angesiedelten rund 400 US-Unternehmen (ca. 4/5 davon in Wien) nutzen viele den Standort auch für die Bearbeitung der umliegenden Märkte Zentral- und Osteuropas. Knapp 40.000 Personen sind bei den amerikanischen Firmen in Österreich angestellt. (red/APA)

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    Thomas Donohue, Präsident der US-Wirtschaftskammer (li.), und WKÖ-Chef Christoph Leitl am Dienstag bei einer Pressekonferenz.

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