China ruft im Nordkorea-Konflikt alle Seiten zu Besonnenheit auf

30. Juni 2006, 12:54
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Seoul: Keine sicheren Anzeichen für Raketentest - Vertreter von Regierungspartei mahnt zu Besonnenheit

Peking/Seoul - Im Konflikt um einen möglicherweise kurz bevorstehenden Raketentest Nordkoreas hat China alle Parteien zu Besonnenheit aufgerufen. "Wir hoffen, dass alle Seiten Schritte unternehmen, die dazu beitragen, die Lage zu entspannen", sagte eine Sprecherin des chinesischen Außenministeriums am Dienstag.

China habe die jüngsten Berichte über Vorbereitungen von Nordkorea zum Abschuss einer Langstreckenrakete verfolgt. Allerdings seien der Regierung in Peking keine Einzelheiten dazu bekannt, fügte die Sprecherin hinzu.

Seoul: Keine sicheren Anzeichen für Raketentest

Auch Südkorea hat sich nach Berichten über einen angeblich bevorstehenden Langstreckenraketen-Test Nordkoreas skeptisch geäußert. Es gebe keinerlei Gewissheit, dass Nordkorea Vorbereitungen für einen solchen Test treffe, sagte ein Sprecher der Regierungspartei Uri am Dienstag in Seoul. "Unter den gegenwärtigen Umständen, ist es schwierig vorherzusagen, ob Nordkorea eine Rakete abfeuert oder nicht", fügte der Sprecher hinzu.

Ranghohe Regierungsvertreter hätten die Parteispitzen informiert und sich skeptisch über die jüngsten Medienberichte zu den angeblichen Testvorbereitungen geäußert. "Wir sind ebenso besorgt, dass grundlose Spekulationen Ängste erzeugen können, die in keinem Verhältnis zur Realität stehen", sagte der Sprecher.

Japanischen Medien zufolge steht Nordkorea kurz vor dem Abschuss einer Taepodong-2-Rakete. Sie sei auf einer Abschussrampe im Nordosten des Landes zusammengesetzt worden und jederzeit abschussbereit. Nach Angaben der USA belegen Satellitenaufnahmen, dass Nordkorea die Rakete möglicherweise komplett betankt hat und damit kurz vor dem Abschuss der Rakete steht. Die Taepodong-2 hat eine Reichweite von 3500 bis 4300 Kilometern. Das Geschoss könnte damit neben zahlreichen Ländern auch den US-Bundesstaat Alaska und Russland treffen.

Die USA und Japan drohten Nordkorea für den Fall eines Langstreckenraketen-Tests mit ernsten Konsequenzen bis hin zum Sicherheitsrat. Bereits 1998 schockierte das weitgehend abgeschottete Nordkorea die Weltöffentlichkeit, als es eine Rakete über Japan in den Pazifik feuerte. Zudem liegen die Sechs-Parteien-Gespräche über das Atomwaffenprogramm des kommunistischen Staates seit November auf Eis. Nordkorea trat 2003 aus dem Atomwaffensperrvertrag aus. Im vergangenen Jahr erklärte das Land erstmals, im Besitz von Atomwaffen zu sein. Nach Ansicht von Experten verfügt Nordkorea derzeit aber nicht über die Technologie, Nuklearwaffen per Rakete abzuschießen. (Reuters/APA)

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