Schlag gegen ETA-Finanzierung in Frankreich und Spanien

23. Juni 2006, 11:15
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Unter den zwölf Festgenommen befindet sich auch ETA-Gründer Julen Madariaga

Bayonne/Madrid - Frankreich und Spanien sind am Dienstag gegen Finanzierungsquellen der baskischen Untergrundorganisation ETA vorgegangen. Die Polizei im südwestfranzösischen Bayonne meldete sieben Festnahmen, in Spanien waren es fünf. Laut den Ermittlern soll damit das Eintreiben der so genannten Revolutionssteuer durch die ETA gestoppt werden.

Diese wird von der Organisation im spanischen Baskenland von Unternehmern verlangt, um ihren Kampf für die Unabhängigkeit des Baskenlandes zu finanzieren. Unter den Festgenommenen befand sich auch einer der Gründer der ETA, Julen Madariaga, wie die Polizei in Madrid mitteilte. Der 73-Jährige wurde demnach im französischen Département Pyrénées Atlantiques festgenommen.

"Revolutionssteuer"

Die spanische Regierung prüft zur Zeit die Aufnahme von Gesprächen mit der ETA, nachdem diese Ende März eine dauerhafte Waffenruhe verkündet hatte. Laut Polizeiangaben treibt die ETA die Revolutionssteuer inzwischen zwar seltener ein, die Organisation hat demnach die Finanzierung darüber noch nicht vollständig aufgegeben.

Bei dem Einsatz seien die Verantwortlichen für die Finanzen der Organisation gefasst worden, teilte die Polizei in Madrid mit. Diese seien seit mehr als 20 Jahren dafür zuständig gewesen, von Unternehmern Schutzgelder zu erpressen. Bei Hausdurchsuchungen seien mehr als 700.000 Euro an Vermögenswerten sichergestellt worden. Zudem wurden über 50 Bankkonten beschlagnahmt.

Die spanische Regierung erklärte, die Festnahmen änderten nichts an dem geplanten Friedensprozess mit der ETA. Die Organisation hatte am 22. März eine "dauerhafte Waffenruhe" ausgerufen. Noch in diesem Monat will der spanische Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero die Friedensgespräche einleiten.

Die Untergrundorganisation ETA ("Euskadi Ta Askatasuna/Baskenland und Freiheit") kämpfte seit 1968 mit Gewalt für ein unabhängiges Baskenland in Nordspanien und im Südwesten Frankreichs. Sie wird für den Tod von rund 800 Menschen verantwortlich gemacht. (APA/dpa)

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