Deutsche Museen üben den Spagat

27. Juni 2006, 11:41
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Problem von Einsparungen und Quotendruck wird immer größer - Bundestagsanhörung: "Wenn Museen nur noch nach Besucherzahlen gemessen werden, bringt sie das um"

Berlin - Die Museen in Deutschland sehen sich einem immer größer werdenden Spagat zwischen Einsparungen und einem "Quotendruck" bei den Besucherzahlen ausgesetzt. Das wurde am Montag bei einer öffentlichen Anhörung der Enquete-Kommission des Bundestages "Kultur in Deutschland" zur Lage der 6500 Museen und Ausstellungshäuser deutlich. "Wenn Museen nur noch nach Besucherzahlen gemessen werden, bringt sie das um", meinte der Präsident des Deutschen Museumsbundes, Michael Eissenhauer.

"Generation 50 plus" als neue Hoffnung

Andere Museumsexperten sprachen sich aber auch dafür aus, neue Besucherschichten zu erschließen. Das gelte nicht nur für die Jugend, sondern angesichts der demographischen Entwicklung auch für die "Generation 50 plus".

Die Museen sollten aber vor allem enger in die Lehrpläne der Schulen eingebunden werden, eine stärkere Zusammenarbeit mit Lehrern sei wünschenswert. Auch sollten vor allem kleinere Museen in den Regionen mehr unterstützt werden. Hier wirkten sich Stelleneinsparungen zum Beispiel in der Museumspädagogik oder bei der Erfassung und Inventarisierung der Bestände zum Teil verheerend aus, hieß es.

"Viele Objekte verrotten in den Depots, wir sammeln und vergessen"

"Wenn da eine Bibliothek abbrennt, weiß man in manchen Fällen noch gar nicht, was da verbrannt ist", meinte die Direktorin der Kunsthalle Chemnitz, Ingrid Mössinger. "Viele Objekte verrotten in den Depots, wir sammeln und vergessen", sagte Dirk Heisig von der Ostfriesland-Stiftung. Beklagt wurde auch die Haltung vieler Sponsoren, im Zweifelsfall lieber Ausstellungsprojekte in großen Städten wie vor allem Berlin als in kleineren Museen in der so genannten Provinz zu unterstützen. (APA/dpa)

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