Trotz, Geschrei und andere Töne: Mia aus Berlin

27. Juni 2006, 12:31
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Die Band hat sich mit dem neuen Album "Zirkus" weg vom Elektro-Punk hin zum Pop entwickelt

Wien - "Am Anfang war der Trotz und das Geschrei, aber es gibt auch einen anderen Ton." So beschrieb Sängerin Mieze Katz die Entwicklung der Berliner Band Mia weg vom Elektro-Punk vor einigen Jahren. Das neue Pop-Album "Zirkus" sei die logische Folge: "Man konnte immer recht gut ablesen, wo wir stehen", sagte sie. Am Wochenende spielten Mieze, Gunnar, Andi, Bob und Ingo beim Nova Rock-Festival im Burgenland bereits einige der neuen Songs, gestern, Montag, Abend präsentierten sie im Wiener Klub OST den gesamten Tonträger.

Lob für Nova Rock

In brütender Hitze am Wiener Schwarzenbergplatz waren Mieze und Schlagzeuger Gunnar am Nachmittag vor dem Promotion-Gig sehr entspannt und voller Lob für das Nova Rock. Es sei selten, dass ein "so großes Festival so viel Gesicht und so viel Charme hat", meinte Mieze. Mit dem ersten Live-Auftritt in Österreich seit acht Monaten habe man erfolgreich die "Entzugserscheinungen" bekämpft. "Wenn man so lange nicht gespielt hat, ist jedes Konzert ein Geschenk", ergänzte Gunnar.

Neues Album ist ruhiger und unaufgeregter, "so reif und so romantisch"

Der Reaktion des Publikums zufolge dürfte auch das neue Album gut ankommen. "Zirkus" brauchte laut Mieze "bedeutungsschwangere neun Monate" bis zu seinem Erscheinen am 21. Juli. "Wir haben sehr viel Herzblut und Energie hinein gesteckt", sprach die exaltierte Sängerin für die Band, die vor dem dritten Studiowerk vier Jahre lang mit den Alben "Hieb und Stichfest" und "Stille Post" durch die ganze Welt tourte. "Wir sind weiter und werden immer besser", konstatierte sie. Das heißt in diesem Fall auch ruhiger und unaufgeregter, "Zirkus" ist für Mieze "so reif und so romantisch".

Zirkus als Projektionsfläche des Lebens

Aber warum eigentlich der Titel "Zirkus"? Gunnar erklärt: "Die meisten denken da an Zirkuszelte oder Roncalli" - diese nahe liegende Metapher wurde auch für das Cover und die Live-Show ("wird ein Spektakel") ausgeborgt. "Aber der Zirkus ist auch die geeignete Projektionsfläche für das Leben." Für Mieze geht es um "mehr als um die Befriedigung der eigenen Fantasie. Wir steuern nicht den Karren Magie, er steuert uns." Als Lieblingszeile des neuen Albums, das scheinbar auch das nicht vorhandene Konzept ersetzte, erkor sie den Satz vom Zauberer Schmendrick in "Das letzte Einhorn": "Zauber, Zauber, tu was du willst."

Festivals und Fußball

Bevor Mia das zehnjährige Bestehen der Band feiert, werden im Sommer mehrere Festivals bespielt - und derzeit natürlich auch Fußball geguckt. "Man wäre schön blöd, wenn sich zur Zeit in Berlin nicht für Fußball interessieren würde", meinte Mieze in Anspielung auf die WM-Euphorie in Deutschland. Die Patriotismus-Debatte angesichts zahlreicher schwarz-rot-goldener Fahnen in den Straßen beurteilte Gunnar als wichtig: "Fußball lebt von der Begeisterung und den Fans." Das Auseinandersetzen mit der Geschichte und das Diskutieren seien gut, das sei wie ein Reflex.

Jahre nach dem Nationalismus-Vorwurf

"Genau das ist uns damals auch passiert", meinte Gunnar in Anspielung auf den Nationalismus-Vorwurf gegen Mia vor einigen Jahren, als mit der Retro-Welle auch deutschsprachige Songtexte wieder salonfähig wurden. Damals hieß es, dass Mieze sogar in eine Deutschland-Fahne eingehüllt aufgetreten sei. "Das ist erfunden", meinte Mieze, auch wenn man sich damals dann laut Gunnar durchaus mit der Patriotismus-Frage auseinander gesetzt habe: "Wie stehen wir dazu? Wie sieht unsere Verantwortung aus?"

Die Verantwortung gegenüber den österreichischen Fans wird Mia jedenfalls während der Tour ab 10. November auf jeden Fall wahrnehmen. Schließlich seien die Fans hier besonders treu, den ersten Auftritt im Wiener Flex oder den Gig beim Aerodrome habe man noch in bester Erinnerung. Viel weiter plane man im Moment aber noch nicht, wie Gunnar abschließend meinte: "Wir denken eher von Spiel zu Spiel." (APA)

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Mia Website

Neues Album "Zirkus" ab 21. Juli im Handel
  • Artikelbild
    foto: miarockt.de
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