Mit 749 Euro- Empfänger Positionssignale von Flugzeugen empfangen

28. Juni 2006, 10:24
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Digitale Kondensstreifen am Home-Computer Empfänger SBS-1 empfängt Positionssignale von Verkehrsflugzeugen - Bester Empfang von erhöhtem Standpunkt

Der Himmel über Europa ist voll: Jeden Tag überqueren tausende Flugzeuge Deutschland und hinterlassen oft ein Muster von Kondensstreifen am Himmel. Für Luftfahrt-Fans aber ist es selbst mit dem Fernglas oder einem langem Teleobjektiv schwierig, die Maschinen genau zu identifizieren. Zwar kann man Typ und Fluggesellschaft von Verkehrsmaschinen oft erkennen, doch welche Maschine es genau ist und besonders um welchen Flug es sich handelt, ist meist unklar.

Automatic Dependent Surveillance-Broadcast (ADS-B)

Die britische Firma Kinetic Avionics hat im vergangenen Jahr ein Gerät auf den Markt gebracht, das genau dieses Problem löst: Mit dem Funkempfänger SBS-1 können PC-Nutzer Flugdaten von Verkehrsmaschinen empfangen und auf sich mit der mitgelieferten Software BaseStation an ihrem Computer darstellen lassen. Möglich macht dies ein relativ neues System namens Automatic Dependent Surveillance-Broadcast (ADS-B), mit dem die meisten neuen Jets inzwischen serienmäßig ausgeliefert werden. Nach einer Schätzung der Deutschen Flugsicherung nutzen etwa 50 Prozent der Verkehrsmaschinen im deutschen Luftraum ADS-B.

Anders

Anders als beim herkömmlichen Radar wird in der Maschine selbst die genaue Position, etwa mit Hilfe von Navigationssatelliten, ermittelt und zusammen mit anderen Flugdaten zwei Mal in der Sekunde zu anderen Maschinen oder Empfängern auf dem Boden gefunkt. Entwickelt wurde ADS-B besonders für abgelegene Regionen, wo sich der Aufbau eines teuren Radarnetzes nicht lohnen würde. So ist das System in bereits in Alaska und Australien im Einsatz.

Magnetfuß

Beim SBS-1 werden die Daten mit einer Antenne empfangen, die mit einem Magnetfuß ausgestattet ist. Der Empfänger selbst ist etwa so groß wie ein DSL-Modem und ist per Kabel mit der Antenne sowie per USB-Kabel mit dem PC verbunden. Die Installation der englischsprachigen Windows-Software BaseStation ist einfach und innerhalb von Minuten abgeschlossen.

Die Oberfläche der Software ist standardmäßig in zwei Fenster aufgeteilt: Auf einer Europakarte mit Länder- und Küstenumrissen werden die kontaktierten Maschinen dargestellt. Mit den Entfernungskreisen erinnert die Karte an die Schirme von Fluglotsen. In einer Tabelle daneben gibt es detailliertere Informationen: Angezeigt werden etwa Flugnummer, Höhe, Steuerkurs, Geschwindigkeit, Steig- oder Sinkrate und die genaue Position.

Bester Empfang von erhöhtem Standpunkt

Der Hersteller empfiehlt, die Antenne erhöht und am besten mit einer theoretischen Sichtverbindung zu den Flugzeugen aufzustellen. Als Zubehör gibt es deshalb eine Außenantenne, die zum Beispiel auf dem Dach aufgebaut werden kann.

Im Test an verschiedenen Standpunkten im Rhein-Main-Gebiet funktionierte der SBS-1 einwandfrei. Selbst als die Antenne auf ein Metallgeländer eines Balkons im dritten Obergeschoss gestellt wurde, konnten je nach Tageszeit problemlos die Daten von 15 Flügen gleichzeitig empfangen werden - obwohl das Sichtfeld stark von anderen Häusern eingeschränkt war. Die Signale kamen von Maschinen, die im Anflug auf den Frankfurter Flughafen waren oder die Region in großer Höhe überflogen.

Einsatz

Viel bessere Ergebnisse bekommen Nutzer, wenn sie den SBS-1 wie empfohlen einsetzen: Auf einer freien Fläche bei Darmstadt etwa wurden an einem Abend innerhalb von Sekunden mehr als 60 Flüge empfangen. Die virtuelle Sicht reichte dabei bis weit nach Belgien, Frankreich und die Niederlande hinein. Auf einer Anhöhe wurden Daten einer Ryanair-Maschine empfangen, die gerade in der Nähe des Vierwaldstättersees in der Schweiz unterwegs war - etwa 400 Kilometer vom eigenen Standpunkt entfernt.

Eine hilfreiche Funktion der Software BaseStation: Die kontaktierten Maschinen können auf Wunsch eine Spur auf der Karte hinterlassen - ähnlich wie Kondensstreifen am Himmel. Das Programm kann zwar die Flüge übersichtlich darstellen, bleibt aber ohne spezielle Kartendaten unter seinen Möglichkeiten. Mit den entsprechenden Koordinaten können Nutzer in einer Textdatei etwa Flughäfen, Städte oder markante Punkte eintragen.

Infos

Wünschenswert wären auch mehr Informationen über die Maschinen. Obwohl ähnlich wie bei einer Fahrgestellnummer kontaktierte Flugzeuge eine eindeutige Nummer funken, fehlen die Informationen über den Typ. Der Nutzer muss sich diese Informationen auf Web-Sites wie Airframes.org sammeln. Denn nur mit dem Registrierungskürzel kann man eindeutig feststellen, ob es sich etwa um einen Regionaljet oder den fünf Mal so großen Airbus A300 handelt. Nach Aussage des deutschen Importeurs WiMo ist aber Kinetic dabei, eine derartige Datenbank aufzubauen.

749 Euro

Trotz der manchmal umständlichen Handhabung der Daten in BaseStation dürfte der SBS-1 für Luftfahrtfans ein faszierendes Gerät sein. Mit dem Gerät an sich, Antenne, Kabeln und Software kostet der Empfänger 749 Euro.(APA/AP)

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