Technik führt bei WM die Regie

28. Juni 2006, 10:24
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Im Hintergrund sorgt ausgefeilte Technik dafür, dass Milliarden Radio- und TV-Zuschauer an den Spielen teilhaben haben können. Ein Blick hinter die Kulissen des FIFA Broadcast Centers

Dass es auch einmal eine Zeit gegeben haben soll, bei der die Austragung einer Fußballweltmeisterschaft ohne Computer, Internet und Co geklappt hat, kann man sich nur noch schwer vorstellen, wirft man einen Blick hinter die Kulissen des Computer- und Fernsehzentrums der FIFA in München. 30.000 Quadratmeter umfasst das Areal am ehemaligen Flughafen München-Riem, auf dem in riesigen Messehallen das International Broadcast Center (IBC) sowie das IT Command Center der FIFA untergebracht ist.

Mehr als 2000 Journalisten und Techniker sind in den drei riesigen Messehallen - verteilt auf unzählige aus rohem Fichtenholz gezimmerte Hütten - untergebracht. Eine besetzt allein der Inhaber der WM-Senderechte, das Schweizer Unternehmen HBS (Host Broadcast Services). Die Firma unterhält ein streng gesichertes Kontrollzentrum, in dem alle Bild- und Tonsignale aus den WM-Arenen zusammenlaufen.

Erstmals werden alle Spiele in der hochauflösenden Digitaltechnik HDTV aufgenommen. Dazu setzt HBS 26 Kameras in jedem Stadion ein. 26 Mikrofone nehmen den Ton auf. Für das Netzwerk aus Ton und aus Bild wurden in allen Stadien zusammen 1300 Kilometer verlegt. Außerdem ist es bei dieser Fußball-Weltmeisterschaft erstmals möglich, auf unterschiedlichen Übertragungswegen die Fernsehbilder auf dem Handy oder auf Notebooks mit Mobilfunk-Karte zu empfangen.

Im so genannten Master-Control-Room der HBS laufen sämtliche Signale ein, hier bringen die Techniker die Bilder und die Kommentare zusammen und schicken die Daten an die weltweiten Rundfunk- und Fernsehstationen weiter.

850 Tonnen Geräte Für die Übertragung der Bilder wurden im IBC technische Geräte mit einem Gewicht von 850 Tonnen installiert und Videokabel mit einer Gesamtlänge von mehr als 400 Kilometern verlegt. Vom Gewicht der riesigen Fernsehsatelliten auf dem IBC-Gelände ganz zu schweigen.

In Halle C 3 des IBC befindet sich das IT Command Center der FIFA. Betrieben wird es von T-Systems, dem Geschäftskundenbereich der Deutschen Telekom, und der Netztechnikfirma Avaya. Von hier aus wird die gesamte digitale Kommunikation zwischen den WM-Stadien und den FIFA-Funktionären koordiniert. Da diese während der Spiele viel unterwegs sein müssen, sind sie mit leistungsstarken Notebooks von Toshiba, einer der Hauptsponsoren und offizieller IT-Partner der FIFA, ausgerüstet. Insgesamt 3000 Toshiba-Geräte sind, etwa auch beim Ticketing, der Akkreditierung und in den diversen Medienzentren im Einsatz.

Hinter einer Glasscheibe sitzen im "IT-Kommandoraum" 15 bis 20 Techniker, die den Datenfluss unter Kontrolle haben. Von hier aus werden auch potenzielle Angriffe auf das FIFA-Netz überwacht.

Die Hochleistungscomputer im IBC haben unvorstellbar große Datenmengen zu transportieren. Bei den Fernsehübertragungen fallen beispielsweise jede Sekunde 480 Gigabyte an Daten an. Hinzu kommen 20 Gigabyte je Sekunde für das Datennetz der FIFA.

Offizielle Zahlen werden von der FIFA zwar nicht preis gegeben, doch wird geschätzt, dass die Technik-Kosten für die WM 2006 bei insgesamt 200 Millionen Euro, einschließlich der Ausgaben aller Sender, liegen.(Karin Tzschentke aus München/DER STANDARD, Printausgabe vom20.6.2006)

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