Der Boom der Klone

23. Juni 2006, 13:30
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Wenn Privates als Teil der Öffentlichkeit die Dosis an Trivialem versüßt, wird's schwer, die Protagonistinnen und ihre Arenen auseinanderzuhalten

Die Welt ist zu Gast bei Freunden, Herr Bush bei Fremden und der Teil der Welt, der sich verlaufen hat, sitzt andernorts auf der Tribüne. Hauptsächlich zu Hause. Da finden sich etliche Monaden, durch die Frau/Mann die nötige Dosis an anderem Trivialen abseits des brennenden Zeitgeistes - der ist meist rund und rollt - erfahren kann. Aber was ist schon nötig, wenn es gegenteilig geht. Luxus!

Die Welt der Reichen und Schönen, einen Mausklick oder Knopfdruck, festgehalten in Bild, Ton, Schrift, gespickt mit Kommentaren und Munkeleien. Privates der Szene-Beteiligten zu veröffentlichen ist lukratives Geschäft der Yellow Press, auch der im Netz beheimateten. Da sprießen sie, die Promi-Blogs, die Promi-Watch-Seiten, überbordend mit Paparrazi-Schüssen, die die Seiten wie Trophäen zieren. Gut besuchte Seiten. Brangelina, Tomkat und Paris interessieren, denn die Fallhöhe ist beträchlich. Und dass sie fallen, früher oder später, ist genüsslich in Aussicht gestellt. Für Nicht-Szene-Versierte stellt es eine kleine Herausforderung dar, den Überblick zu behalten, was die weniger markant gemachten VIPs betrifft. Beziehungsweise, generell auseinanderzuhalten, welche Erblondete beim Einkaufen abgelichtet wurde. Es scheint, als würden alle in den selben Läden shoppen. Knips. Und den selben Ernährungsberater haben, der sich's einfach zu machen scheint: "Esst einfach gar nichts". Knips. Beliebige Aufnahmen von Alltagsbeschäftigungen bis hin zum sexuellen Geplänkel, unautorisiert, knips.

Der dabei produzierte Wust an Material wäre prä-netzig nicht in seinem ganzen Ausmaß veröffentlicht worden. Aber nun ist es möglich. Was kann, kann. Das erstaunt weniger als das scheinbar mit der Zunahme an Masse sich steigernde Interesse daran. Ansteckungsgefahr ist sicherlich gegeben - dann doch lieber den Weg zur anderen Tribüne finden. Dann doch lieber Fußball. Oder? (bto)

20. Juni 2006
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    "Määäh." Übersetzung: "Mich kriegt niemand unter, denn ich bin viele."
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