Verhärtete Fronten bei Kerres und Diwok

18. Oktober 2006, 17:05
posten

Partnerkrieg mit Vorwürfen und Verfahren: Am Mittwoch wird vor dem Schiedsgericht verhandelt

Im Streit zwischen den beiden Wiener Wirtschaftsanwälten Christoph Kerres und Georg Diwok um die Zukunft ihrer gemeinsamen Kanzlei und den Verbleib im Verbund von Baker &McKenzie (B&M) sind die Fronten völlig verhärtet. Am Mittwoch kommt es zu einer ersten Verhandlung vor einem Schiedsgericht, bei der manche - aber nicht alle - Streitpunkte angesprochen werden sollen. Zusätzlich laufen mehrere Gerichtsverfahren und gegenseitig angeordnete Sonderprüfungen.

"Unfreiwilliger Rücktritt"

Kerres hat vor zehn Tagen den Austritt der Kerres &Diwok Rechtsanwälte Gmbh (K&D) von B&M, der aus Haftungsgründen als Schweizer Verein organisiert ist, verkündet. Kurz darauf wurde von B&M der "unfreiwillige Rücktritt" von Kerres bekannt gegeben, der erste Hinauswurf eines Partners in der B&M-Geschichte. Diwok hingegen will mit dem Großteil der Wiener Mannschaft bei B&M bleiben.

Laut Kerres'persönlichem Anwalt Georg Schima geht es im Konflikt nicht nur um die zuvor genannten "kulturellen Differenzen", sondern auch um handfeste Verstöße gegen das österreichische Gesellschaftsrecht und die Rechtsanwaltsordnung (RAO).

RAO-widrig gehandelt

So habe ein deutsch-österreichischer Partnerausschuss unter Führung des deutschen Managing Partners Günther Heckelmann direkt in österreichische Führungs- und Personalentscheidungen eingegriffen. In einem Fall sei der Anwalt Gerhard Hermann ohne die Zustimmung von Kerres als Partner zu K&D berufen worden - offenbar, um Kerres einen Teil seines profitablen M&A-Geschäftes wegzunehmen. Dies aber verstoße gegen die Bestimmung der RAO, wonach Dritte keinen Einfluss auf die anwaltliche Arbeit und die Führung einer Kanzlei nehmen dürfen.

"Der Schweizer Verein hat eine gesetzwidrige Organisationsstruktur", sagt Schima dem Standard. "Das Problem stellt sich auch in anderen Ländern, aber es gibt kein anderes Beispiel, wo ein Land so an einem anderen daranhängt."

Diwok weist diese Darstellung als Ablenkungsmanöver vom echten Konfliktgrund zurück. Kerres habe Hermanns Berufung mehrmals mündlich zugestimmt und seine Meinung erst als Reaktion auf eine gegen ihn gerichtete B&M-interne Untersuchung geändert. "Kerres hat die Beitrittsverträge mitverfasst und allein verhandelt, er war unser Integrationspartner. Er streitet jetzt gegen seine eigenen Verträge", sagt Diwok dem Standard. Heckelmann habe in Wien nicht in anwaltliche Tätigkeiten hineinregiert. Bei der deutsch-österreichischen Abstimmung sei es um "reine Organisationsfragen"gegangen.

Und schließlich habe der Hinauswurf von Kerres bei B&M nichts mit dessen Kündigung der Verträge zu tun, betont Diwok. Kerres lege "den wahren Hintergrund der AusEinandersetzung nicht offen".

"Keinerlei Verfehlung"

Kerres hingegen wehrt sich vehement gegen alle Vorwürfe von B&M gegen ihn. Interne Untersuchungen habe es zwar gegeben, aber diese hätten keine Verletzung seiner Berufspflichten aufgezeigt. "Selbstverständlich ist mir keinerlei Verfehlung vorzuwerfen", sagt er dem Standard. "Ich habe stets mein Berufsethos als Rechtsanwalt respektiert und immer im besten Interesse meiner Mandanten verantwortlich gehandelt."

Noch arbeiten Kerres und Diwok in der gleichen Kanzlei am Wiener Stubenring. Die von Kerres ausgesprochene Kündigung der B&M-Verträge zu Jahresende benötigt die Zustimmung von Diwok, was dieser verweigert. Deshalb wird er von Kerres geklagt. Letztlich, so Brancheninsider, geht es um die Frage, ob Kerres eine Entschädigung erhält, wenn er aus der Kanzlei ausscheidet. (Eric Frey, DER STANDARD Printausgabe, 20.06.2006)

Share if you care.