Der Bär in höchster Gefahr

23. Juni 2006, 09:50
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Im bayerischen Umweltministerium werden die Stimmen lauter, die einen Abschuss von Bär "Bruno" fordern

Eine Chance, ihn lebend zu fangen, sollen die finnischen Jäger noch bekommen. Im Internet hat man den Tatzentouristen derweil schon erwischt.

München/Innsbruck - Zwei gerissene Schafe, zwei ausgeräumte Bienenstöcke und zerstörte Heuballen: Das ist "Brunos" Bilanz vom Montag. Diesmal war der nachtaktive und äußerst umtriebige Braunbär, der eigentlich "JJ1" heißt, im Bereich des bayerischen Kurorts Kreuth unterwegs. Montagfrüh, sofort nach Bekanntwerden der neuen Taten des Tatzentouristen, rückte der finnische Jagdtrupp aus, um "JJ1" zu fangen. Am Vormittag schließlich sichtete ein Jäger das Tier nordöstlich des Achenpasses. Doch die schwedischen und norwegischen Elchhunde, die "JJ1" nachspüren sollten, konnten den Bären wieder nicht finden. Um 15.00 Uhr stellten die Jäger die Suche ein.

"Bis jetzt weiß der Bär noch nicht, dass er verfolgt wird", sagte Susanne Grof, Sprecherin des österreichischen WWF. Sie sprach von "höchster Gefährdung für die Bevölkerung". Nach Ansicht von Experten sei es nur eine Frage der Zeit, bis der Bär auch einen Menschen angreife. "Der Schaden, der den Bauern entsteht, ist zwar tragisch, aber ein Versicherungsfall", sagte sie. Viel schlimmer sei es, dass der Bär sich immer öfter Siedlungen nähere und immer weniger Respekt vor Menschen zeige.

Letzte Chance vorbei?

Die zweiwöchige Schonfrist, die der Tiroler Agrarlandesrat Anton Steixner dem Bären gesetzt hatte, verstreicht am Dienstag. Im bayerischen Umweltministerium gibt es inzwischen heftige Diskussionen, ob die Jäger den Bären nun nicht doch mit scharfer Munition auf den Pelz rücken sollen. Laut WWF habe man im Münchener Ministerium beschlossen, noch einmal zu versuchen, das Tier zu stellen und zu betäuben. Sollte die Aktion erneut misslingen, müsse das Expertengremium die Situation neu einschätzen und sich schließlich für oder gegen den Abschuss entscheiden.

Im Internet freuen sich geschäftstüchtige Onlineunternehmer über die Hatz: Sie haben die virutelle Jagd nach dem Bären eröffnet. Das On- line-Spiel ähnelt der vor einigen Jahren sehr populären "Moorhuhn-Jagd". Mit virtuellem Blasrohr und und Betäubungspfeilen kann man dabei den finnischen Bärenjägern zur Hand gehen. (Julian Ausserhofer, DER STANDARD-Printausgabe, 20.06.2006)

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