Vom Wasserbett in die Karibik

29. Juni 2006, 13:44
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Die Bayerische Landesbank überlegt rechtliche Schritte - Neue Details über Helmut Elsners exklusive Ansprüche

Wien - Helmut Elsners Appetit auf Exklusives und das Entgegenkommen der Bankeigner, selbigen zu stillen, war offenbar etwas größer als angenommen. Das belegen Petitessen, die im Rahmen der Aufräumarbeiten in der Gewerkschaftsbank und im ÖGB ans Tageslicht befördert werden.

Eine Auswahl: Die irische Bawag-Tochter bezahlte die Golfclub-Mitgliedschaft Elsners; die Bank kam für die Stromrechnung für Elsners Penthouse-Wohnung plus Pool (das als Löschteich gewidmet ist) auf. Dass der Banker sich bei einer, angeblich privaten, Reise ins ferne Klagenfurt sein Wasserbett nachliefern ließ, sorgte in der Bank auch für leises Kopfschütteln. Für Nachschub aus den Ausgrabungsarbeiten dürfte gesorgt sein; als nächstes kommt die Abrechnung der Diäten unter die Lupe.

Fremde Rechnungen

Allerdings hat die Bawag schon auch Rechnungen übernommen, die ihrem Eigentümer ÖGB galten: Die Kosten für die Löschung der Desana Privatstiftung, über die der ÖGB mit 27 Prozent am US- Brokerhaus Refco beteiligt war, bezahlte die Bank: Allerdings ging es dabei nur um 3000 Franken oder 2000 Euro.

Für einiges an Unmut haben die im Standard veröffentlichten Schweigeprotokolle des Ex-Vorstands übrigens in München, bei der Bayerischen Landesbank, gesorgt. Sie war bis 2004 mit 46 Prozent an der Bawag beteiligt; Elsner hatte bei der Bekanntgabe der Verluste 1998 in der Höhe von 639 Mio. Dollar dem Vorstand und Präsidenten die Weisung erteilt, die Bayern nicht zu informieren. "Kein Kommentar", heißt es offiziell, intern beteuern die Banker, "nie von den Verlusten informiert" worden zu sein. Rechtliche Schritte werden überlegt.

In die Causen Karibik und Refco kommt dank Einvernahmen diverser Verdächtiger und Zeugen immer mehr Licht. Auch der Ex-Bawag-Treasury-Chef und Ex-Refco- Manager Thomas Hackl, der jede Verwicklung in die Causa Bawag zurückweist, war bereits als Zeuge da - demnächst kommt er nochmals dran.

Thomas Hackls Rolle

Die Frage, in die Licht gebracht werden soll: Nachdem die Bawag-Manager am 9. Oktober des Vorjahres den 425-Millionen-Euro-Kredit an Refco überwiesen hatten, wurde tags darauf eine Gesellschaft namens Acies Panama aktiv, die Hackl zugerechnet wird. Diese Acies hat am 10. Oktober einen Teil der (wertlosen) "Uni-Bonds" (letzte Tranche der Karibik-Verluste im Jahr 2000) von den Anguilla-Gesellschaften der Bawag gekauft. Danach landeten die wertlosen Beteiligungen bei der Bawag.

"Plausibilitätsrechnung"

Thematisiert werden immer wieder auch die allerersten Karibik-Geschäfte, die ab Anfang der Neunzigerjahre unter Walter Flöttl mit dessen Sohn Wolfgang getätigt wurden. Die Behauptung der Banker, man sei damals mit Gewinnen aus den karibischen Spekulationsgeschäften ausgestiegen, belegt der Notenbankbericht von 1995 aber so nicht. Festgestellt wird darin, dass der Höchststand der Beträge, die Investmentbanker Flöttl überlassen wurden, fast 33 Mrd. Schilling betragen hätten. Jede Menge Gesellschaften waren in die Derivativgeschäfte involviert, beim Abdrehen der Geschäfte betrug das Obligo ungefähr 24 Mrd. Schilling, die auch zurückgeflossen sind. Genaueres konnten die Prüfer nicht eruieren, sie erstellten nur eine "Plausibilitätsberechnung", wonach es zu "keinen Verlusten" gekommen sei.

Bei der Wiederaufnahme der Deals mit Flöttl Junior 1995 durch Helmut Elsner bekam der Investmentbanker wieder keine Investitionsvorgaben, musste sich aber wieder verpflichten, als Sicherheit jeweils 120 Prozent des Werts der Kredite (die er veranlagte) mit Wertpapieren zu unterlegen. Was dieser auch tat; die Überdeckung von 20 Prozent dürfte aber - Überraschung - die Bawag bezahlt haben. Zudem hatte der Bawag-Aufsichtsrat ein Geschäftsvolumen von 400 Millionen Dollar beschlossen - diese Grenze wurde in Summe um an die 240 Millionen Dollar überschritten, hat sich inzwischen herausgestellt.

Flöttl, der 1998 den Verlust von 639 Millionen Dollar eingestehen musste und damals vor dem Ruin stand, wurde (wie der Standard berichtet hat) von der Bawag weiter finanziert, auf dass die ganze Geschichte nicht auffliege. 80 Mio. Dollar wurde ins Überleben seiner Investmentgesellschaft gepumpt, 156 Millionen Dollar in die Ausbezahlung seiner Gemälde, je rund 20 Millionen Dollar in jene seines Fliegers und einer britischen Immobilie, die die Meinl Bank kofinanziert hatte. Flöttls Haus am vornehmen Londoner Eaton Place landete so bei der Gewerkschaftsbank, die es aber sodann versilberte.

ATV braucht Geld

Ums Versilbern geht es auch jetzt; die Bawag wollte ja bis vor Kurzem Beteiligungen verkaufen; liegt jetzt aber selbst in der Auslage. Die interessantesten Anmerkungen zu ihren Töchtern in der Bilanz 2005: Der TV-Sender ATV "benötigt noch Kapitalzufuhren seitens der Hauptgesellschafter" und das Markenrecht der verlustreichen Klavierfabrik Bösendorfer ist nur mit zwei Mio. Euro bewertet. (Renate Graber, DER STANDARD Printausgabe, 20.06.2006)

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