Entdeckung von Robin Hoods "Familienschloss" wirft Probleme auf

26. Juni 2006, 14:52
20 Postings

Fund im Dorf Bolsterstone wird von Forschern als Herkunftsort des Volkshelden interpretiert - Unstimmigkeiten bleiben zu klären

London - Errol Flynn hat ihn gespielt und auch Lex Barker versuchte sich als Robin Hood. Kevin Costner hatte Erfolg als "König der Diebe". Und Sean Connery mimte den legendären Volkshelden als Mann in seinen letzten Lebenstagen an der Seite von Audrey Hepburn als "Oma" Marian. Es gibt unzählige Bücher, Comics, TV-Serien, Theaterstücke und Filme über Englands bekanntesten Volkshelden, ob es ihn nun tatsächlich gegeben hat oder nicht. Nun sollen diese Geschichten alle in einigen wesentlichen Punkten falsch sein, glauben einige Forscher.

Vor allem die Geschichten mit Robin und dem bösen Sheriff von Nottingham könnten so kaum stimmen, sagen Archäologen und Historiker der Universität in der Silber- und Messermetropole Sheffield. Robin hätte nämlich bei dem Versuch, sich immer wieder mit dem Sheriff von Nottingham anzulegen, größte Transportprobleme gehabt.

Das Familienschloss?

Zwei Tagesritte von Nottingham entfernt haben nämlich die Forscher in dem Dorf Bolsterstone am Stadtrand von Sheffield Ruinen eines kleinen Burgschlosses ausgegraben, das sie für das einstige Heim des legendären Bogenschützen halten. Der Sherwood Forest, in dem Robin reiche Reisende um Geld für die Armen erleichtert haben soll, liegt fast 90 Kilometer von seinem mutmaßlichen Wohnort entfernt. Für damalige Verhältnisse einfach ein zu langer Weg zum mehr oder weniger regelmäßigen Pendeln.

Steve Moxon, der Leiter des Archäologenteams, ist sicher, dass die kürzlich frei gelegten Fundamente in Bolsterstone in der lieblichen Landschaft des Pennines-Mittelgebirges Reste des Sitzes jener Adelsfamilie sind, der Robin Hood entstammte. Genau hier und nicht dort, wo Tausende von Touristen seinen Spuren nachgehen, soll Robin Hood gewohnt haben.

Möglicher historischer Hintergrund

Nach dem, was Moxon und seine Leute nun stark vermuten, aber noch nicht wirklich beweisen können, war der Erstbesitzer des Schlösschens in Bolsterstone ein Edelmann namens Waltheof, seines Zeichens Earl of Huntingdon. Über ihn berichteten Geschichtsschreiber, er habe zu den mutigsten Kämpfern gegen die normannischen Eroberer gehört.

Zwei Revolten hatte Waltheof gegen die Normannen angefacht. Nach der zweiten wurde er 1076 im Alter von gerade mal 30 Jahren hingerichtet. Der Earl soll neben einer trauernden Witwe auch einen Sohn namens Robert zurückgelassen haben, einen herausragenden Bogenschützen, der später als Robin Hood bekannt geworden sei.

"Natürlich war Robin Hood vor allem eine Figur aus der Sagenwelt", räumt Forscher Moxon ein. "Doch Waltheof war nun einmal die Inspiration für die Ballade über den Tod des Mannes namens Hood und die später im 15. Jahrhundert darauf aufbauende Prosa." Die Ruinen von Bolsterstone seien jedenfalls "von enormer historischer Bedeutung".

Regionale Befindlichkeiten

Bei den Stadtvätern von Nottingham sorgt diese Vorstellung für Angstschweiß. "Heißt das etwa, wir sollen jetzt das Robin-Hood-Denkmal vor unserem Schloss abbauen?", sagt eine Dame im Nottingham City Council. "Wir prüfen das jetzt alles und erarbeiten eine fundierte Stellungnahme."

Die Reaktion ist nicht verwunderlich. Es geht um viel Geld, das Robin-Hood-Touristen künftig "zwei Tagesritte" entfernt von Nottingham in der Gegend von Sheffield ausgeben könnten. Mit diesem Gedanken liebäugeln auch die Leute im Flecken Hathersage, unweit von Sheffield.

Kollateralnutzen ...

Von dort soll Robin Hoods Gefährte Little John stammen. Sein mutmaßliches Grab auf dem Friedhof von Hathersage hat bislang nur wenige Besucher. Aber das könnte sich ändern, wenn die Fans des großen Bogenschützen erstmal das nahe gelegene Bolsterstone als neuen Wallfahrtsort für den "König der Diebe" entdeckt haben. (APA/dpa)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Eine der unzähligen Verkörperungen von Robin Hood - hier auf der Naturbühne an den Greifensteinen im Erzgebirge

Share if you care.