Die "Neue Galerie" in New York

19. Juni 2006, 19:13
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Museum für deutsche und österreichische Kunst wurde 2001 von Ronald S. Lauder gegründet - 167 Werke von u.a. Schiele, Klimt, Kokoschka, Kandinsky

Wien - Die Eröffnung der "Neuen Galerie" in New York gilt als das erste gesellschaftliche Ereignis nach dem amerikanischen Unglückstag vom 11. September 2001. Rund zwei Monate später sperrte das exklusive Privatmuseum an Manhattans Museumsmeile entlang des Central Park seine Pforten auf, das die Sammlung für deutsche und österreichische Kunst der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts von Medienmanager Ronald S. Lauder und Serge Sabarsky beherbergt. 167 Werke von Klimt, Schiele, Kokoschka, Kandinsky, Klee, oder Kirchner schmücken das hundertjährige Palais. 200.000 Besucher jährlich bewundern die Bilder, zu denen sich nun Klimts "Goldene Adele" gesellt.

Das Museum geht auf eine jahrelange Freundschaft der Sammler Serge Sabarsky und Ronald S. Lauder zurück. Serge Sabarsky wanderte 1939 aus Wien aus und eröffnete in New York seine eigene Galerie, wo er auch den Geschäftsmann Lauder kennen lernte. Er begeisterte ihn für seine Leidenschaft an den Wiener Künstlern des Fin de Siecle und des deutschen Expressionismus. Die beiden trugen exquisite Sammlungen zusammen, die Lauder in seiner Zeit als amerikanischer Botschafter in Wien um einige wichtige Exponate erweiterte.

Problematisch wurde die Übersiedlung des Schiele-Bildes "Winterbäume" in die USA, die der scheidende Diplomat 1988 nur dank einer umstrittenen Sondergenehmigung bewerkstelligen konnte. Lauder hatte sich jedoch schon früher quasi "erkenntlich" gezeigt, als er 1986 die millionenschwere Vergoldung der Secessions-Kuppel, des so genannten "Krauthappels", als Sponsor finanzierte.

Sabarskys und Lauders Traum war es, gemeinsam ein Museum zu eröffnen, und als Sabarsky 1996 verstarb, führte Lauder das Projekt alleine zu Ende. Der Name "Neue Galerie" wurde in Anlehnung an Otto Kallirs legendärer "Neuen Galerie" in Wien (heute Galerie nächst St. Stephan) gewählt. 800 Quadratmeter Ausstellungsfläche stehen zur Verfügung. An den Freund und Kunstexperten erinnert außer der Sammlung das Cafe Sabarsky, das als Paradestück eines Wiener Kaffeehauses gilt. Das großzügige Treppenhaus führt in den ersten Stock, zur Präsentation österreichischer Kunst. Getäfelte Wände und ein ehemaliger Kamin bilden hier das Umfeld für Werke von Gustav Klimt, Oskar Kokoschka, Egon Schiele, für Objekte der Wiener Werkstätte sowie Möbel von Adolf Loos und Otto Wagner.

Eine schmälere Treppe führt in den zweiten Stock zur deutschen Kunst, die durch Max Beckmann, Emil Nolde und der Künstlervereinigungen "Der Blaue Reiter" und "Die Brücke" sowie Werke von Bauhaus und Neue Sachlichkeit vertreten ist. Jährlich finden zwei Sonderausstellungen statt, so wie auch Vorträge- und Filmprogramme. Ein Book- und Design-Shop ergänzt das Angebot. Direktorin ist die gebürtige Wienerin und frühere Assistentin Sabarskys, Renée Price.

Zu den prominenten Neuzugängen der Neuen Galerie gehören Schieles "Stadt im Grünen (Die Alte Stadt III)", die dem Museum von der amerikanischen Familie Manley im vergangenen Mai geschenkt wurde. Und bald auch das teuerste Bild der Welt - die "Goldene Adele" Klimts. (APA)

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