Süßer Schlummer mit Rotwein im Bauche

28. Juni 2006, 12:22
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Italienische Forscher glauben in einigen Traubensorten relativ hohe Anteile des "Schlafhormons" Melatonin gefunden zu haben

Mailand - Italienische Forscher haben einen Hinweis darauf gefunden, warum Rotwein viele Menschen müde macht. Die Trauben mehrerer bekannter Rotweinsorten - darunter Nebbiolo, Merlot und Cabernet Savignon - enthalten einer Studie der Universität Mailand zufolge relativ hohe Anteile des "Schlafhormons" Melatonin.

Dies wird ansonsten in der Zirbeldrüse von Säugetieren produziert und trägt dazu bei, den Tages-Nacht-Rhythmus von Tieren und Menschen zu steuern. Die Studie soll demnächst im "Journal of the Science of Food and Agriculture" veröffentlicht werden.

"Bettschwere"

"Der Melatonin-Gehalt im Wein könnte dabei helfen, die "innere Uhr" (des Menschen) zu regulieren, so wie es das von der Zirbeldrüse produzierte Melatonin bei Säugetieren tut", meint der Leiter der Untersuchung, Marcello Iriti. Die Studie sei ebenfalls eine erste Erklärung dafür, dass viele Menschen nach Rotwein eine "Bettschwere" überkommt. Alkohol als "Schlafmittel" ist allerdings höchst umstritten. Bier und Rotwein fördern zwar oftmals das Einschlafen, führen aber zu einem unruhigem, wenig erholsamen Schlaf und häufig zum Aufwachen während der Nacht.

Bis vor Kurzem sei die Wissenschaft davon ausgegangen, dass Melatonin ausschließlich im Körper von Säugetieren produziert wird, schreiben die Forscher. Erst kürzlich habe man herausgefunden, dass auch Pflanzen den Wirkstoff herstellen. Das Mailänder Forscherteam hat zudem nachgewiesen, dass der Melatonin-Gehalt der Trauben erhöht werden kann, indem man die Weine mit dem Pflanzenaktivator BTH (Benzothiadiazol) behandelt.

Skepsis

Allerdings gibt es bereits erste kritische Stimmen: Richard Wurtman vom Massachusetts Institute of Technology warnte, möglicherweise hätten die Mailänder Forscher nicht das echte "Schlafhormon" nachgewiesen, sondern lediglich eine sehr ähnliche Substanz. "Viele Forscher haben bisher versucht, Melatonin in Nahrungsmitteln nachzuweisen und sind dabei gescheitert". Einige Wissenschafter sagen Rotwein bereits seit Jahren gesundheitsfördernde Wirkung nach, etwa bei der Verhütung von Herz- und Kreislauferkrankungen. Allerdings äußern andere Forscher immer wieder Zweifel an der These. US-Forscher meinten unlängst, Rotweintrinker führten ganz einfach generell ein gesünderes Leben als viele andere Menschen. (APA/dpa)

Abstract

Journal of the Science of Food and Agriculture:
Melatonin content in grape: myth or panacea?

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